Rudolf war der
einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph
I. und Elisabeth (Sissi) von Bayern. Er
wurde am 21. August 1858 in Schloss Laxenburg bei Mödling geboren, was beim
Volk grossen Jubel auslöste, da das beliebte Kaiserpaar einen Thronfolger
bekommen hatte.
Josef
Strauss komponierte zu dem freudigen Anlass seinen
Kronprinzenmarsch Op.59. Franz Josef wollte seinen Sohn nach
Rudolf I. benennen, dem Gründer des
Habsburgischen Hauses. Die regen Herrschertätigkeiten der Eltern liessen
kaum Zeit für eine innige Beziehung, und so wurde Rudolf bis 1864 von der
Freifrau von Welden („Wowo“) erzogen bevor er in die Obhut von Leopold Graf
Gondrecourt gegeben wurde, welcher sehr streng mit Rudolf umging, was dem
sensiblen Kind seelisch und physisch stark zusetze. Seine Mutter entzog
Gondrecourt daraufhin im Folgejahr die Erziehungsberechtigung und übertrug
diese an Josef Latour Graf von Thurmberg. Dieser gewann sehr schnell Rudolfs
Vertrauen. Vater Franz Josef wünschte eine strenge und umfangreiche
Ausbildung für seinen Sohn, weshalb dieser von nicht weniger als 50
verschiedenen Lehrern unterrichtet wurde. Rudolf war intelligent, vielseitig
interessiert, neugierig und konnte jedem Themengebiet (ausser Religion)
etwas Interessantes abgewinnen. Allmählich zeigte Rudolf eine radikale und
kirchenfeindliche Einstellung, und sein Erzieher bemerkte bei ihm eine
zunehmende Neigung zur Unwahrheit.
Rudolf hegte Sympathien für die östlichen Gebiete, was seine Beziehung zur
Mutter, welche er vergötterte, noch mehr festigte, denn Sissi hatte eine
besondere Vorliebe für Ungarn. Seinen Vater verehrte er als solchen und als
Kaiser zwar, hatte aber keinen besonderen Draht zu ihm. Einzig die Vorliebe
für die Jagd teilten sie. Rudolf konnte mit der konservativen Politik seines
Vaters nichts anfangen, denn der Kronprinz war offen für Neuerungen und
Veränderungen. Da er aber von den Regierungstätigkeiten ausgeschlossen war,
konnte er seine Ideen nicht einbringen, was ihn ärgerte. Zudem schien Franz
Josef seinen Sohn und dessen Meinungen nicht besonders ernst zu nehmen.
Rudolfs bürgerlich-liberale Gesinnung und seine Beziehungen zu
entsprechenden Kreisen veranlassten den Hof, ihn als Thronfolger für
unpassend zu betrachten.
Im Jahre 1880
verlobte sich Rudolf mit Prinzessin Stephanie, der ältesten Tochter des
Belgischen Königshauses. Am 10. Mai fand in der Wiener
Augustinerkirche die Hochzeit statt. Zwischen Rudolf und Stephanie
schien zunächst wahre Liebe zu bestehen, nur seine Mutter Sissi war von dem
„belgischen Trampeltier“ alles andere als begeistert. Stephanie, mit der
Rudolf einige Zeit in Prag lebte, konnte jedoch die Interessen und
Bestrebungen ihres Mannes nicht teilen, und im Laufe der Jahre entfremdeten
sich die beiden zusehends. Selbst die Geburt der Tochter Elisabeth am 2.
September 1883 in Schloss Laxenburg brachte keine Besserung in ihre
Beziehung. Ein weiteres Kind konnte Stephanie nicht gebären, da sie von
Rudolf wohl mit einer Geschlechtskrankheit infiziert worden war. Rudolf
wurde melancholisch und vermehrt frustriert, was ihn psychisch und auch
physisch immer mehr schwächte. Er trank viel, konsumierte Drogen und suchte
öfters die Freuden bei Damen aus der Mittelschicht. So traf er auf Mizzi
Caspar, eine zwielichtige Dame, mit welcher er längere Zeit zusammen war.
In all der Zeit hatte Rudolf
eine heimliche Verehrerin. Es war die junge Baroness Marie-Alexandrine
Vetsera, genannt Mary. Sie wohnte mit ihren Geschwistern und der Mutter in
einem Palais an der
Salesianergasse. Um endlich mit Rudolf in Kontakt zu kommen, wandte sich
Mary im Herbst 1888 an Marie-Luise Gräfin Larisch-Wallersee, welche die
Nichte der Kaiserin und gleichzeitig eine enge Freundin des Hauses Vetsera
war. Die Gräfin nahm Mary unter dem Vorwand, ihre Hilfe für Einkäufe zu
benötigen, mit an den Hof, wo sie mit Rudolf zusammentraf. Der Kronprinz hat
ihre Liebesglut wohl nicht im selben Ausmass erwidern können, war aber von
ihrer Zuneigung gerührt und fand in ihr eine potentielle Gefährtin für seine
schon länger in ihm schlummernden Selbstmordgedanken. Ab November 1888 traf
sich Rudolf mit Mary immer öfter. Im Hause Vetsera sollte man nichts davon
wissen, denn es geschah stets heimlich. Einzig Marys Zofe Jahoda wusste
davon und half ihr jeweils, heimlich das Haus zu verlassen und an der
Marokkanergasse die Kutsche von Rudolfs Leibfiaker Josef Bratfisch zu
besteigen. Fing man an, Verdacht zu schöpfen, so verstand es die Gräfin
Larisch stets zu schlichten.
Die Stimmungsschwankungen des
Kronprinzen nahmen bedenkliche Ausmasse an. Dann kam der verhängnisvolle 30.
Januar 1889 als Kronprinz Rudolf und seine Geliebte Mary in Schloss Mayerling im
Wienerwald tot in ihrem Blut liegend aufgefunden wurden. Der Wiener Hof
versuchte aus Reputationsgründen, den Skandal zu vertuschen, erreichte
dadurch aber bloss, dass die wildesten Gerüchte und Vermutungen entstanden,
welche von Herzschlag über Vergiftung, bis hin zum Mordkomplott und einer
politischen Rache reichten. Der genaue Hergang und die Beweggründe für den
Doppelselbstmord sind bis heute ungeklärt, denn die Zeugen nahmen ihr Wissen
entweder mit ins Grab oder widersprachen sich. Kronprinz Rudolf wurde in der
Kaisergruft beigesetzt, und Mary Vetsera wurde in einer Nacht- und
Nebelaktion unter unwürdigsten Umständen auf dem Waldfriedhof beim
Zisterzienserstift
Heiligenkreuz bestattet. Dies veranlasst zu weiteren Zweifeln und
Vermutungen am wirklichen Tathergang.
Doktor Hofmann
wurde am 31. Januar mit der Obduktion der Leiche Rudolfs in der
Hofburg
beauftragt. Er stellte folgendes Gutachten aus:
"Seine k. u. k. Hoheit, der durchlauchtigste Kronprinz, ist
zunächst an Zertrümmerung des Schädels und der vorderen Hirnpartien gestorben.
Diese Zertrümmerung ist durch einen aus unmittelbarer Nähe gegen die rechte
vordere Schläfengegend abgefeuerten Schuss veranlasst worden. Ein Schuss aus
einem Revolver mittleren Kalibers war geeignet, die beschriebene Verletzung
zu erzeugen. Das Projektil wurde nicht vorgefunden, da es durch die über dem
linken Ohr konstatierte Ausschussöffnung ausgetreten war. Es unterliegt
keinem Zweifel, dass seine k. u. k. Hoheit sich den Schuss selbst
beigebracht hat und dass der Tod augenblicklich eingetreten ist. Die
vorzeitige Verwachsung der Pfeil- und Kranznaht, die auffällige Tiefe der
Schädelgrube und die sogenannten fingerförmigen Eindrücke an der inneren
Fläche der Schädelknochen, die deutliche Abflachung der Hirnwindungen und
die Erweiterung der Hirnkammer sind pathologische Befunde, welche
erfahrungsgemäss mit abnormen Geisteszuständen einherzugehen pflegen und
daher zur Annahme berechtigen, dass die Tat in einem Zustand von
Geistesverwirrung geschehen ist."
Vetsera-Grab in Heiligenkreuz
Der Ort der Tragödie: Schloss Mayerling
Rudolf im Januar 1889 kurz vor seinem
Selbstmord
Rudolf mit Wilhelm I. von Deutschland
Rudolfs Abschiedsbrief an seine Ehefrau
Stephanie
Die aufgebahrte Leiche Rudolfs in der Wiener
Hofburg