|
Die Umstände in der
Familie Vetsera waren freilich durch und durch keine glücklichen, denn
Albin Freiherr von Vetsera heiratete seine Frau Helene Baltazzi nicht
aus Liebe. Zudem musste er kurz nach dem Einzug ins Palais Wien
verlassen und als Delegierter der Monarchie nach Kairo versetzt, wo er
1887 starb und seine Frau und vier Kinder alleine in Wien hinterliess.
Von diesen Kindern kam der älteste Sohn beim Brand des Ringtheaters um.
Und dann nahm die tragische Geschichte von der Tochter
Marie-Alexandrine, genannt Mary, mit
Kronprinz Rudolf seinen Lauf.
Nachdem man zuerst glaubte, Mary hätte Rudolf und dann sich vergiftet,
musste die Mutter Vetsera zur sicherheitshalber Wien verlassen, kehrte
jedoch wieder zurück und erfuhr, dass es ein Doppelsuizid war. Nach der
Würdelosen Beisetzung ihrer Tochter beim
Stift Heiligenkreuz, welcher
die Mutter nicht beiwohnen konnte, lebte sie in einer Art
gesellschaftlicher Quarantäne. Die Familien Vetsera uns Baltazzi waren
bereits zuvor in Wien leicht verrufen, doch jetzt nach der
Mayerling-Affäre haftete erst recht der mit dem Skandal verbundenen
Beigeschmack an den Namen, und die Gesellschaft ging den übrig
gebliebenen Vetseras aus dem Weg.
Nachdem die Miete des
Palais für die alleinstehende Mutter zu kostspielig geworden war, zog
sie in eine Mietwohnung. Danach zogen hier nacheinander die amerikanische
und die japanische Gesandtschaft ein. Um 1916 wurde das Palais Vetsera
abgetragen, weil es den Verlauf der neu angelegten Neulinggasse
blockierte. Die beiden verbliebenen Vetsera-Kinder starben vorzeitig,
und mit dem Tod der durch den Krieg völlig verarmten Mutter im Jahre
1925 erlosch das letzte Mitglied der Familie. Der Name Vetsera blieb
jedoch wegen der nach wie vor mysteriösen Mayerling-Tragödie bis zum
heutigen Tage weltweit im Gedächtnis der Menschheit.
|