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Palais Vetsera

3. Bezirk, ehem. Salesianergasse 11
 

Noch heute wirft der Name Vetsera einen dunklen Schatten über die Geschichte Österreichs. Die tragische Figur der Familie, Mary Freiin von Vetsera, wohnte mit ihrer Familie ab 1880 in einem Palais an der Salesianergasse. Es war ein spätbarockes Haus aus dem Jahre 1794 mit einem Garten, welches mehrmals den Besitzer wechselte. Später erhielt das Palais zwei Seitentrakte, welche zusammen mit dem Haupttrakt einen kleinen Hof bildeten. Die Familie Vetsera war nicht Besitzerin des Palais, sondern mietete sich lediglich ein. Trotzdem war das Haus als Vetsera-Palais bekannt, und es fanden öfters gesellschaftliche Anlässe und Feste statt.

Die Umstände in der Familie Vetsera waren freilich durch und durch keine glücklichen, denn Albin Freiherr von Vetsera heiratete seine Frau Helene Baltazzi nicht aus Liebe. Zudem musste er kurz nach dem Einzug ins Palais Wien verlassen und als Delegierter der Monarchie nach Kairo versetzt, wo er 1887 starb und seine Frau und vier Kinder alleine in Wien hinterliess. Von diesen Kindern kam der älteste Sohn beim Brand des Ringtheaters um. Und dann nahm die tragische Geschichte von der Tochter Marie-Alexandrine, genannt Mary, mit Kronprinz Rudolf seinen Lauf. Nachdem man zuerst glaubte, Mary hätte Rudolf und dann sich vergiftet, musste die Mutter Vetsera zur sicherheitshalber Wien verlassen, kehrte jedoch wieder zurück und erfuhr, dass es ein Doppelsuizid war. Nach der Würdelosen Beisetzung ihrer Tochter beim Stift Heiligenkreuz, welcher die Mutter nicht beiwohnen konnte, lebte sie in einer Art gesellschaftlicher Quarantäne. Die Familien Vetsera uns Baltazzi waren bereits zuvor in Wien leicht verrufen, doch jetzt nach der Mayerling-Affäre haftete erst recht der mit dem Skandal verbundenen Beigeschmack an den Namen, und die Gesellschaft ging den übrig gebliebenen Vetseras aus dem Weg.

 

Nachdem die Miete des Palais für die alleinstehende Mutter zu kostspielig geworden war, zog sie in eine Mietwohnung. Danach zogen hier nacheinander die amerikanische und die japanische Gesandtschaft ein. Um 1916 wurde das Palais Vetsera abgetragen, weil es den Verlauf der neu angelegten Neulinggasse blockierte. Die beiden verbliebenen Vetsera-Kinder starben vorzeitig, und mit dem Tod der durch den Krieg völlig verarmten Mutter im Jahre 1925 erlosch das letzte Mitglied der Familie. Der Name Vetsera blieb jedoch wegen der nach wie vor mysteriösen Mayerling-Tragödie bis zum heutigen Tage weltweit im Gedächtnis der Menschheit.


 

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