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Carl Michael Ziehrer (1843-1922)

"Wenn als Wiener du
geboren,
hast du Glück g'habt in der Tat.
Hast als Heimat dir erkoren
eine wunderschöne Stadt" (aus ''Der
Fremdenführer')
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In den 50er und 60er Jahren des 18. Jahrhunderts hatten in Wien eindeutig
die Strauss-Brüder das Geschäft mit der Tanzmusik in der Hand. Nachdem
Johann, der seit den 40er
Jahren wirkte, immer erfolgreicher geworden war, folgten ihm
Josef und
Eduard. In allen namhaften
Etablissements und Tanzlokalen traten die drei auf, und ihre Kapelle führte
die Wiener Musikszene an. Allfällige Konkurrenten konnten sich nicht
durchsetzen gegen das Orchester: Philipp
Fahrbach Sen. versuchte, ein ebenbürtiges Orchester zu etablieren,
musste jedoch bereits 1854 aufgeben und wechselte zur Militärmusik. Auch
Joseph Gungl und
Béla Kéler, die sich in Wien niederlassen
wollten, konnten sich gegen die Strauss-Kapelle nicht durchsetzen. Für diese
schien es keine ernstzunehmende Konkurrenz zu geben.
Der Verleger von Strauss, Carl Haslinger, jedoch hatte seine Befürchtungen:
Johann Strauss‘ Gesundheit war angeschlagen, und es bestand die Gefahr, dass
seine Leistungen nachlassen würden. Seine Ärzte untersagten ihm zudem das
Arbeiten. Haslinger glaubte, dass der zwar überaus begabte, aber kaum
publikumswirksame Josef Strauss seinen Bruder Johann nicht ersetzen könne.
Genauso wenig wie der junge Eduard, welchem es an Erfahrung mangelte. Es kam
hinzu, dass zwischen Johann Strauss und Carl Haslinger eine ungesunde
Spannung herrschte, welche aus einer Unstimmigkeit bezüglich Abrechnung des
Honorars entstanden war. Haslinger witterte das Unheil.
In dieser verheissungsvollen Situation vernahm Haslinger, dass in der Wiener
Gesellschaft und zwar vorwiegend bei den wohlsituierten und
musikverständigen Fabrikanten in den westlichen Vorstädten Wiens ein junger
Klavierspieler unterwegs war, welcher die aktuelle Musik und auch eigene
Stücke vortrug. Haslinger wollte mehr wissen über das junge Talent, welches
zu dem Zeitpunkt gerade mal 19 Jahre alt war. Es war Carl Michael Ziehrer,
der Sohn eines wohlhabenden Hutmachers, geboren am 2. Mai 1843. „Michi“
erlernte von seinem Vater das Hutmacherhandwerk und schuf dabei gängige
Kreationen, jedoch mit besonderere Sorgfalt. von ebenso guter Qualität waren
seine musikalischen Vorträge, welche er des öfteren Abends an
Gesellschaftsanlässen auftrug. Carl Haslinger wurde immer neugieriger und
nahm deswegen an den Anlässen teil, an denen Ziehrer musizierte. Eine
weiterer Grund für Haslingers wachsendes Interesse war die Tatsache, dass
der damals äusserst namhafte wiener Musiker Adolf Müller bereits einige
Motive Ziehrers für eine Orchesterbesetzung verfasst und für die Tanzmusik
tauglich gemacht hatte. Haslinger war begeistert von Ziehrers Art, seine
Musik vorzutragen. Er schien seine beschwingten Melodien nur so aus seinen
Ärmeln zu schütteln. Der erfahrene Verleger hatte keinen Zweifel mehr, dass
Ziehrer einer der ganz grossen werden würde, der bis über die Landesgrenzen
hinaus bekannt sein wird. Haslinger überlegte sich, wie er den jungen
Ziehrer ins Walzergeschäft integrieren könnte. Er war sich sehr wohl
bewusst, dass sein künftiger Schützling bis auf den Klavierunterricht bei
Simon Sechter, fonanziert von seinem Vater, keine weitere musikalische
Ausbildung erhielt, weder im Musizieren noch im Komponieren. Haslinger
engagierte Professor Emmerich Hasel, welcher Ziehrer das Dirigieren und
Komponieren beibringen sollte. |
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Als Johann Strauss im Sommer
1863 wieder im russischen Pawlowsk weilte und Konzerte gab, spitzte sich die
kritiche Lage zwischen der Strauss-Familie und Haslinger zu. Carl Haslinger
und seine Gemahlin Josephine entschieden sich, das Vertragsverhältnis mit
der „Firma Strauss“ aufzulösen und sich auf den jungen Carl Michael Ziehrer
zu konzerntrieren. Im Herbst deselben Jahres stellte Haslinger Ziehrer der
Öffentlichkeit vor. Am 21. November 1863 gab Ziehrer sein erstes Konzert im
Dianabadsaal. Das Publikum war von ihm angetan und fand grossen Gefallen an
seinen Kompositionen, auch wenn sie vorerst dnejenigen der Strauss-Familie
nicht das Wasser reichen konnten. Einige wichtige Wiener Tagblätter liessen
hervorragende Kritiken verlauten, was dem Komponisten natürlich sehr gelegen
kam. Auch künftig trat Ziehrer in den Dianasälen auf, wo ebefalls die
Strauss-Kapelle regelmässig gastierte. Ein kleiner Wehrmutstropfen dürfte
die Tatsache gewesen sein, dass das Publikum bei Ziehrers Anlässen vermehrt
mittelständisch war und gelegentlich zu weniger feinen Exzessen aufgelegt
war. Die Strauss-Brüder hingegen traten fast nur an Gesellschaftsbällen mit
Gästen aus der oberen Bevölkerungsschicht auf. Im Frühjahr 1865 wurde
Ziehrer schliesslich in die Blumensäle der Wiener Gartenbaugesellschaft
engagiert, wo er Ballregent wurde und einige erfolgreiche Neukompositionen
zur Uraufführung brachte.
Als im November 1867 das Arbeiter-Bildungswerk gegründet wurde, ernannte man
Ziehrer zu dessen Kapellmeister. Fortan spielte er an den Arbeiterbällen
auf. Zudem hat Carl Haslinger es arrangiert, dass |
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Ziehrer die musikalische
Leitung der jährlichen Katharinen-Redouten in den k&k Redoutensälen der
Hofburg übernehmen konnte.
Die Katharinen-Redouten waren sehr gefragte Nobelanlässe, was Ziehrer einen
ordentlichen Schritt weiterbrachte in seiner Karriere. Nebenbei hatte er die
Gelegenheit, in den wichtigsten Lokalen der Kaiserstadt aufzuspielen und
auch Konzerte in Baden bei Wien, Graz und Budapest zu geben.
Nicht alles in jener Zeit war erfreulich für Ziehrer. Sein Förderer Emmerich
Hasel pfuschte dem Komponisten immer öfter ins Handwerk, stellte sich an
dessen Dirigierpult und liess unter dem Namen Ziehrer eigene Kompositionen
drucken. Haslinger dürfte dies bekannt gewesen sein, aber wird darüber
hingweggesehen haben, da er sich ja noch immer erhoffte, mit Hilfe Hasels
den Ziehrer zum „neuen Strauss“ zu machen. als dann Ziehrer begann, sich von
Hasel zu distanzieren und gänzlich eigenständig zu werden, geschah es, dass
diese zweifelhaften Vorfälle mit Hasel zum Gesprächsthema unter der Wiener
Bevölkerung wurden und Ziehrers Reputation schadeten. Und dann war da noch
Jetty Strauss geb. Treffz, die Frau Johann Strauss‘, welche sich gegen
Ziehrer und Haslinger auflehnte. In einem Brief an einen Freund in Berlin
schrieb sie im Jahre 1865 folgende Sätze:
„Haslinger-Ziehrer Firma ist ganz im
Erbleiben, soviel auch der gute dicke Carl [Haslinger] arbeitet und par
Force erreichen möchte, wozu nur eine Kleinigkeit gehört – Talent! Das hat
aber der gute Ziehrer nicht, und so hilft alles nichts. die lächerlichsten
Geschichten passieren, ja sogar Beweise hat man in den Händen, dass Ziehrer
selbst diesen Schmarren, den er mit seinem Namen im Druck erscheinen lässt,
nicht selbst arbeitet; doch es wäre schade um jedes Wort, er bricht sich
selbst das Genick durch seine Talentlosigkeit.“
Jetty spricht hier jedoch
ausschliesslich von den Einzelfällen, in denen Hasel seine Werke in Ziehrers
Namen herausgegeben hat, wobei Ziehrer keinerlei Schuld trifft. Sehr
intelligent schien Jetty nicht gewesen zu sein, denn durch ihre bösen Worte
liess sie ungewollt puren Neid und Missgunst verlauten, denn hätte sie sich
nur ein wenig dabei überlegt, hätte sie sich eingestehen müssen, dass
Ziehrer ein aussergewöhnlich begabter Musiker war. Aber sie musste
schliesslich Partei für ihren Mann und dessen Brüder ergreifen. Zu Ziehrers
Verdruss erholte sich Johann Strauss von seiner Schwächephase, und seine
beiden Brüder begannen in den kommenden Jahren, eine Vielzahl von
grossartigen Meisterwerken zu schreiben, worunter die noch heute
berühmtesten Walzer und Polkas sich befanden. Ziehrer hatte keine Chance,
sich mit seinen Werken neben denjenigen der Strauss-Brüder zu behaupten. |
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Ein folgenreicher Zeitpunkt
ist gekommen, als Carl Haslinger an Weihnachten 1868 plötzlich an einem
Schlaganfall starb. Ziehrers Zeit schien zuende, denn ohne haslinger konnte
er sich in Wien nicht mehr behaupten, und er entliess seine Musiker. Der
Zufall wollte es jedoch, dass genau zu dieser Zeit das Infanterie-Regiment
Nr.55 von Graf gondrecourt nach Wien verlegt wurde. Dessen Regimentskapelle
war auf der Suche nach einem Dirigenten, wofür keiner besser geeignet
gewesen wäre als Ziehrer. Nun spielte er mit seiner Militärkapelle in
denselben Lokalen auf wie zuvor mit seiner Zivilkapelle. Erst recht wurde er
nun von der Bevölkerung gefeiert. Dass Ziehrer nun gänzlich selbständig
komponierte ohne das Zutun von Hasel, bewies er nun mit einigen sehr
gefälligen Werken, welche jedoch noch nicht so populär wie erwünscht
geworden sind
Als im Jahre 1873 die Vorbereitungen für die
grosse Wiener Weltausstellung im
Prater begannen, sah Ziehrer darin eine Chance, wieder mit einer
Zivilkapelle auf die Bühnen zurückzukehren. Die Organisation der
Weltausstellung jedoch geriet noch vor deren Eröffnung in einen
wirtschaftspolitischen Streit. Zudem verwandelte |
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ausgiebiger Regen das
Pratergelände in eine knietiefe Sumpflandschaft. Als Folge davon blieb der
Besucherstrom sowohl an der Ausstellung als auch an den damit verbundenen
Veraanstaltungen aus. Es entstand ein grosses finanzielles Defizit für die
Ausstellung und für die Wirte, deren Kassen ebenfalls leer blieben. Auch
Ziehrer hatte dabei mit seiner Zivilkapelle das vollkommene Nachsehen und
wurde wiederum Kapellmeister und zwar diesmal beim Infanterie-Regiment Nr.76
unter Freiherr von John. Die Militärkapelle war sehr wohl mit
Spitzenmusikern besetzt, konnte sich aber dennoch in die Herzen des
Publikums spielen, was zahlreiche Zeitungsberichte bestätigen. Nebenbei
gründete er die „Deutsche Musikzeitung“, eine der wichtigsten Quellen für
Musik im späteren 19. Jahrhundert. In der Zeit startete Ziehrer auch seinen
ersten Versuch, den Weg auf die Bühne zu finden. Zusammen mit richard Genée
und Max von Weinzierl schrieb er die Musik zu der Burleske „Cleopatra oder
durch drei Jahrtausende“. Die Premiere fand am 13. November 1875 im Ringtheater
statt, war aber nicht erfolgreich. Auch seine erste eigene Operette „König
Jérôme oder immer lustick“, welche drei Jahre später am 28. November 1878
ebenfalls im Ringtheater uraufgeführt wurde, war nicht erfolgreicher und
wurde bald wieder abgesetzt. Ziehrer hat zu diesem Zeitpunkt die Kapelle des
Infaterie-Regiments Nr.76 bereits wieder verlassen, denn es bot sich ihm die
einmalige Gelegenheit, die Strauss-Kapelle zu übernehmen. Eduard, der diese
bisher geführt hatte, war von nun an auf ausgiebigen Kunstreisen, wozu er
ein Orchester benötigte, deren Mitglieder es gewohnt waren, lange und oft
unterwegs zu sein. Die Musiker der Strauss-Kapelle waren zu dieser
Umstellung jedoch nicht bereit, sondern wollten in Wien bleiben und da
weiterhin wirken. So boten sie Ziehrer die Leitung ihrer Konzerte an.
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Eduard
war darob sehr erbost und trat vor die Behörde, auf dass man Ziehrer
verbiete, mit der Kapelle unter strauss’schem Namen aufzutreten. Man kam
Eduards Willen nach, und das Orchester wurde in Kapelle Ziehrer umbenannt.
Lange konnte sich das Ensemble jedoch nicht behaupten, worauf Ziehrer dessen
Leitung dem aufstrebenden Wiener Musiker Karl Kratzl übergab. Ziehrer
unternahm nun längere Konzertreisen. Im Sommer 1879 gastierte er in Rumänien
und erhielt den Titel des Königlich Rumänischen Hofkapellmeisters. In Wien
wurde dieser Titel erst am 2. Februar 1880 anerkannt.
In Wien machte Ziehrer erst im Jahre 1881 wieder von sich reden, als das
Carltheater plante, die komische Operette „Wiener Kinder“ aufzuführen, deren
Musik aus Ziehrers Hand stammt. Die Premiere am 19. Februar 1881 war sehr
vielversprechend, aber dennoch wurde die Operette schon bald wieder
abgesetzt. Mit enttäuschung kehrte Ziehrer wieder nach Berlin zurück, wo er
sich zuvor aufgehalten hatte. Ziehrer schien in Wien vorerst vergessen. In
Berlin übernahm er die Kapelle der Reichshallen und agierte als
Variété-Dirigent. Er arbeitet mit der in Linz aufgewachsenen Marianne
Edelmann zusammen, welche er am 1. September 1888 heiraten wird.
Das Jahr 1883 sollte eine grosse Wende in Ziehrers Musikerlaufbahn bringen.
Am 15. September genannten Jahres erschien in den Wiener Zeitungen nämlich
eine Annonce, in der das Wiener Hausregiment Nr.4, die Hoch- und
Deutschmeister, die Stelle eines Kapellmeisters ausschrieb. Es ist nicht
bekannt, ob Ziehrer sich dafür beworben hat. Jedenfalls erhielt die Stelle
der ausgezeichnete Musiker Heinrich Strobl, bisheriger Kapellmeister des
Infanterie-Regiments Nr.29. Kurz nachdem Strobl von Temeschburg nach wien
übersiedelt war, um die Stelle anzutreten, verstarb er jedoch unerwartet.
Die Stelle wurde erneut ausgeschrieben und lautete wie folgt: „Infolge
Ableben des Kapellmeisters ist die Kapellmeisterstelle im IR 4
erledigt.Bewerber wollen ihre mit Zeugnissenbelegten Gesuche bis 15. Mai I.
J. dem Regimentskommando einsenden. Diesmal war es der mittlerweile 42 Jahre
alte Ziehrer, welcher für die Stelle auserkoren wurde. Es stand ihm nun eine
vielversprechende Zukunft bevor, denn die Strauss-Ära war so gut wie
vorüber. Johann schrieb fast nur noch Operetten, Josef war bereits 1870
verstorben, und Eduard war meist auf Konzertreisen. In Wien führten nun die
Militärkapellen das Musikleben an. Ziehrer trat nun also mit seinen Hoch-
und Deutschmeistern |

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auf. Ohne Anlaufzeit hatte er
die Herzen der Wiener erobert, denn mit der Kapelle entfaltete er seine
ganze künstlerische Begabung und schuf eine Serie von grossartigen
Meisterwerken, wie sie Wien seit den Strauss-Brüdern nicht gesehen hat. So
echt wienrisch das Blut in Ziehrers Adern war, so echt wienerisch war seine
Musik! Er schien auf einmal eine über Jahre hinweg angestaute Fülle an
Einfällen zu entfalten, und seiner Hand entsprangen die schönsten Walzer,
Polkas und Märsche. Ganz Wien schien in Ziehrers Musik zu leben, und
überall, wo er mit seinen Hoch- und Deutschmeistern auftrat, waren die Säle
bis auf den letzten Platz ausgebucht. Und als er begann, im
Ronacher Sonntagskonzerte
zu geben, konnte er sogar problemlos neben Eduard Strauss und seinem
Orchester bestehen, welcher zur gleichen Zeit die traditionellen
sonntäglichen Konzerte im Goldenen Saal des
Musikvereins gab.
Bewusst wählte Ziehrer urtümliche Musik, die eher volksnah und
zeitgenössisch war und hatte damit grossen Erfolg. Eduard hingegen wurde
sogar von seinem Bruder Johann zurechgewiesen, er solle doch nicht immer so
„gehobene Unterhaltungsmusik“ spielen und er solle sich an Ziehrer ein
Beispiel nehmen! Die Ziehrer-Musik wurde nun automatisch in der ganzen Welt
bekannt. Am 12. Februar 1890 (auf den Tag genau 88 Jahre vor dem Geburtstag
des Webmasters) spielte Ziehrer mit seinem Orchester beim ersten Rathausball
seinen Walzer „Wiener Bürger“. Damit triumphierte er erstmals über Johann
Strauss, welcher mit seinem Walzer „Rathausball-Tänze“ nicht dieselbe grosse
Gunst des Publikums erhielt wie Ziehrer.
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Im Jahre
1888 gastierte Ziehrer in
München und sorgte auch da für ausgebuchte
Räumlichkeiten. 1893 reiste er mit seinen Hoch- und Deutschmeistern nach
Amerika an die Chicagoer Weltausstellung. Gemäss allerhöchster Erlaubnis
durfte sein Orchester sogar in Uniform auftreten. Der Erfolg war grandios,
was Ziehrer veranlasste, seinen Aufnenthalt in Amerika zu verlängern und
eine kleine Konzerttournee zu unternehmen. Dies war ein Fehler, denn dadurch
überschritt er seinen offiziellen Urlaub. Der Militärvorstand setze Ziehrer
in Wien ab, noch bevor er dahin zurückkehrte. Als er in Wien eintraf, fand
er an seiner Stelle den Musiker Wilhelm Wacek. Ziehrer stand im ersten
Moment unter Schock. Besonders enttäuschend war, dass Anton Freiherr von
Schönfeld selber, dem Ziehrer den noch heute berühmten
Freiherr-von-Schönfeld-Marsch gewidmet hatte, gegen ihn gestimmt hat.
Ziehrer liess sich jedoch nicht entmutigen, gründete eine neue Zivilkapelle
und trat nun erst recht in Wien auf.
Nun versuchte sich Ziehrer erneut im Komponieren von Operetten. Er gab auch
nicht auf, nachdem seine Operette „Ein Deutschmeister“ im Jahre 1888 im
Carl-Theater keinen Erfolg hatte. Eine weitere Operette entstand in
Zusammenarbeit mit Gabor Steiner: „Die
Landstreicher“ mit ihrer Uraufführung am 29. Juni 1899 war eine
Sensation. Auch die darauffolgenden Bühnenwerke fanden grossen Anklang.
Ziehrer hat es nun also geschafft, Operettenkomponist zu werden, quasi als
Nachfolger von Johann Strauss und
Carl Millöcker, welche beide im selben Jahr verstorben sind.
Der absolute Höhepunkt in Ziehrers Karriere erfolgte 1907, als er nach
Johann Strauss Vater,
Johann Strauss Sohn und Eduard Strauss zum vierten (und letzten) k&k
Hofballmusikdirektor ernannt wurde. Das anspruchsvolle und strenge Amt wurde
dem 64jhrigen vom Kaiser erleichter, indem dieser ihm erlaubte, während des
Dirigierens auf die Uniform zu verzichten. Lange konnte Ziehrer sein neues
Amt freilich nicht ausüben, da schon bald der Erste Weltkrieg entbrannte und
in seinen Wirren die Donaumonarchie ihren Untergang erlebte. Das Schicksal
Ziehrers war besiegelt. Er verlor durch den Krieg sein ganzes Vermögen und
lebte danach als gebrochener und nahezu vergessener Mann in Wien, bis er am
14. November 1922 für immer seine Augen schloss. Er ruht auf dem
Zentralfriedhof
in einem Ehrengrab neben seiner treuen Frau Marianne. |
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Carl Michael Ziehrers
musikalisches Erbe ist sehr reichhaltig und wertvoll. Neben seinen 23
Operetten hinterliess er rund 600 Walzer, Polkas und Märsche. Viele davon
erklingen noch heute und muten wienerischer an als mancher Strauss-Walzer.
Ziehrer war unbestritten einer der fürhenden Schöpfer beschwingter
Tanzmusik. In der österreichischen
Nationalbibliothek wurde ein Ziehrer-Gedenkraum eingerichtet. |
Seine Werke
Musikbeispiele


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