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Joseph Gungl (1810-1889)

Joseph Gungl wurde am 1. Dezember 1810 im
ungarischen Zsámbék geboren. Sein erster Beruf war Schullehrer. In dieser
Zeit hatte er Musikunterricht beim Leiter des Schulchores. Er zog später
nach Graz und spielte dort in einem Orchester die erste Oboe. Mit 25 Jahren
übernahm er das Amt als Kapellmeister des vierten österreichischen
Artillerieregiments.
Seine erste Komposition im Jahre 1836, ein
ungarischer Marsch, zog Aufmerksamkeit auf sich, und sieben Jahre später
gründete er sein erstes Orchester in Berlin, wo er schon bald die Tanzsäle
beherrschte. Nur verständlich, dass er alles andere als erfreut war, als Johann
Strauss Sen. mit seinem Orchester nach Berlin kam und mit seinen Klängen aus
Wien die Hallen bis auf den letzten Platz füllte und ihm Konkurrenz machte.
Gungl unternahm grosse Reisen mit
seinem Orchester, mitunter nach Russland und nach Amerika.
Man sagt, dass Gungls Orchester das erste war, welches die Komplette
Reihe von Mendelssohns Sommernachtsträumen als Ganzes aufgeführt hatte.
Im Jahre 1853 wurde Gungl zum Kapellmeister des 23. Infanterieregiments in
Brünn ernannt. Ab 1864 lebte er in
München mit seiner 18 Mann starken
Kapelle. Hier trat er fast jeden Abend im Englischen Café am Lenbachplatz
auf, am heutigen Standort des Bernheimer Hauses. Sein Orchester fand bei der
Bevölkerung den Übernamen „Die Gungl“.
Ab 1876 lebte Gungl in Frankfurt,
nachdem er mit grossem Erfolg zahlreiche Konzerte am Covent Garden in London
gegeben hatte.Später zog er mit seiner Tochter, einer namhaften Opernsängerin, nach
Weimar, wo er am 31. Januar 1889 verstarb.
Gungls Schaffen war mit rund 436 Werken sehr reichhaltig. Er schuf
hauptsächlich Walzer, Polkas und Märsche. Sein bekanntestes Werk ist wohl
der grosse Konzertwalzer „Träume auf dem Ozean“. Franz Liszt schrieb eine
Transkription von Gungls genanntem ungarischen Marsch. In Gungls
Kompositionen steckt eine Leichtigkeit und Beschwingtheit wie in denjenigen
von Johann Strauss, was
ihn mit Recht zu einem Vertreter der leichten wiener Klassik macht. Der
Komponist ist leider fast gänzlich in Vergessenheit geraten. |