|
<<
zurück
Eduard Strauss (1835-1916)

|
Eduard
Strauss wurde am 15. März 1835 als dritter Sohn
Johann Strauss des Älteren
in Wien geboren. Neben einem anfänglichen diplomatischen Engagement
studierte er Musiktheorie und begann am 11. Februar 1855 seinen Part als
Harfenspieler im Strauss-Orchester, obwohl er nebenbei auch Geige spielte.
1862 dirigierte er neben seinen beiden Brüdern
Johann und
Josef das
Strauss-Orchester. In der Zeit entstanden des öfteren Auseinandersetzungen
zwischen Eduard und seinen Brüdern. Fast wollte Eduard das Handtuch werfen
und den Vertrag brechen, als Mutter Anna intervenierte und ihn zur Vernunft
bringen konnte. Mit seinen Brüdern fing er an, im Musikverein sonntägliche
Konzerte zu geben, woraus später die weltberühmten Neujahrskonzerte
entstanden.
Nach Josefs Tod und mit Johanns immer intensiveren Beschäftigung mit dem
Schreiben von Operetten übernahm Eduard das Orchester ganz, bis dies 1878
Carl Michael Ziehrer zu seinem neuen Leiter wählte. Vier Jahre später wurde
Eduard Strauss zum k&k Hofballmusikdirektor ernannt und ging mit seinem
neuen Orchester auf erfolgreiche Tourneen. Er gastierte in rund 840 Städten
auf zwei Kontinenten, spielte für Queen Victoria und besuchte auch Amerika
und Russland. Im Jahre 1901 gab er sein Amt auf und zog sich ins Privatleben
zurück.
Nachdem Eduard Strauss sich immer mehr von seiner Familie entfremdet hatte
und zusehends verarmte, vollzog er im Jahre 1907 das Unfassbare: Er
verbrannte das gesamte Notenmaterial der Strauss-Kapelle, welches sich in
all den Jahrzehnten deren Wirkens angesammelt hatte. Drei ganze
Wagenladungen an Partituren und originalen Manuskripten, unter denen sich
auch zahlreiche von Eduards Kompositionen befanden, liess er im Heizraum der
Stuhlfabrik seines Freundes vor den Augen entsetzter Zuschauer ein Raub der
Flammen werden. Der kulturelle Schaden war unermesslich. |
 |
Laut Eduard Strauss soll
dieser ungeheure Vandalenakt aufgrund eines Übereinkommens seinerzeit mit
seinen Brüdern erfolgt sein. Der Grund liegt jedoch nicht zuletzt in Eduards
Charakter: Er fiel nicht selten als wichtigtuerischer Mensch auf mit nahezu
diktatorischem Gehabe. Zudem liebte Eduard es, seine Orden zu tragen und zur
Schau zu stellen. Er galt ferner als der bestaussehendste der Strauss-Brüder
und hatte den Übernamen „der schöne Edi“. Musikalisch waren ihm seine Brüder
jedoch zeitlebens einen Schritt voraus, da er stets in deren Schatten –
besonders in Johanns - stand. Das hat Eduard niemals richtig verkraften
können. Es geschah ihm gewissermassen Unrecht, da sein Talent niemals
wirklich erkannt wurde. Eduards Werke wurden erst ab 1863 publiziert, in der
Zeit, als sein Bruder Johann auf dem Höhenpunkt seiner Karriere stand.
Eduard fand kaum Verleger, die seine Kompositionen drucken und
veröffentlichen wollten. Hier spielte Johann zusätzlich die Rolle eines
bösen Bruders, indem er seinen eigenen Verleger bat, Eduards Werke nicht zu
veröffentlichen, weil er ihm eventuell gefährlich hätte werden können. Dabei
versprühen Eduards Walzer oftmals einen lieblichen Optimismus, wie er in
Johanns Werken eher nicht vorhanden ist. Sein Werkverzeichnis umfasst
beachtliche 295 Kompositionen.
Eduards gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich nach dem Verbrechen
stetig, worauf er am 28. Dezember 1916 in Wien an einem Herzinfarkt erlag.
|

Gedenktafel an der Reichsratstrasse
|