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Café Central
Café Drechsler
6. Bezirk,
Linke Wienzeile 22
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Einen in Wien einmaligen Ruf geniesst das
Cafe Drechsler an der linken Wienzeile. Engelbert Drechsler erhielt um
1912 seine Konzession und führte das Café Obstmarkt an der rechten
Wienzeile 19. Als nach der Überdachung des Wienflusses der
Naschmarkt um
1914 vom Karlsplatz und der Wiedner Hauptstrasse an seinen heutigen
Standplatz verlegt wurde, zog Engelbert Drechsler mit seinem Kaffeehaus
ebenfalls um auf die andere Seite des Wienflusses und eröffnete dort
sein neues Kaffeehaus zunächst unter dem Namen Café an der Wien. Um 1919
wurde es in den heutigen Namen umbenannt und wurde von 1928 bis 1957 vom
gleichnamigen Sohn geführt. Danach vom ebenfalls gleichnamigen Enkel.
Das Besondere an dem Lokal waren seine Öffnungszeiten, denn bereits ab 3
Uhr morgens konnte man hier frühstücken oder aber nach einer
durchzechten Nacht diese hier weiterführen oder auch ausklingen lassen.
So fanden Nachtschwärmer und manche andere seltsame Gestalt den Weg ins
Drechsler. |
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Es wurde kaum etwas verändert an der
Einrichtung geschweige denn erneuert oder renoviert. Das Kaffeehaus
verkam zu einer ziemlich schmuddeligen Höhle mit Nikotinfilm überzogenen
Blümchentapeten, zerschlissenen Sitzmöbeln und düsteren Ecken. Die Zahl
der Gäste nahm ab, und selbst an Samstagen war das Lokal nicht immer
voll. Im September 2005 ging Drechsler in Pension und sperrte sein
verrufenes Kaffeehaus ohne Vorankündigung zu.
Über Monate hinweg blieb das Lokal
geschlossen, und niemand wusste, was damit geschehen sollte. Im
Folgejahr übernahm ein neuer Betreiber das Café, gestaltete es für
700'000 Euro um und eröffnete es im Februar 2007 wieder. Das Resultat
ist eine Mischung von einem Hauch traditionellem Kaffeehaus, jedoch
vielmehr Lounge und
Trendlokal. Die alte Wandvertäfelung wurde restauriert, neu gestrichen
und wieder eingesetzt. Weiter wurden wieder entdeckte
Gründerzeit-Deckenmalereien teilweise freigelegt. Die Schenke ist modern
aus edlem Marmor angefertigt und erinnert eher an den Tresen einer Bar
denn an Kaffeehausausschank. Die Tische und Sitzmöbel sind eine Mischung
aus traditioneller Ausstattung und moderner Loungeeinrichtung. Auf die
Ausstattung und das Design wurde viel Wert gelegt, was sich unbestritten
bezahlt gemacht hat. An der alten Tradition anknüpfend ist das Café
Drechsler heute während 23 Stunden geöffnet und schliesst seine Türen
lediglich während einer Stunde von 2-3 Uhr morgens. Davon ausgenommen
sind der Sonntag und der Montag.
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Sitzt man im Café Drechsler und schaut sich
um, so weiss man vorerst nicht, ob man fasziniert sein oder die Nase
rümpfen soll, je nach Erwartung oder Einstellung halt. Auch wenn die
Räumlichkeiten noch die alten Formen erkennen lassen, hat die
Gesamterscheinung wenig mit einem Wiener Kaffeehaus zu tun, geschweige
denn mit deren Tradition. Es ist halt der Name der Drechsler, welcher
sich im Bewusstsein der Wiener eingeprägt hat, aber in erster Linie
findet heute junges Publikum den Weg ins neue Lokal an der Wienzeile,
denn dieses hat seine Ansprüche anders gelagert als das ältere Publikum;
der Service im Café Drechsler hinkt demjenigen der anderen Kaffeehäuser
nämlich deutlich nach, ist das Personal doch ebenfalls sehr jung und
wohl reichlich unerfahren, wenn auch sehr freundlich und zuvorkommend.
So bleibt schon mal ein fertiges Tablett auf dem Tresen stehen und wird
dann verzögert serviert, und der Kaffee ist nicht mehr heiss. |
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Das Angebot ist vielfältig und umfasst
alles, was ein Wiener Kaffeehaus bieten muss und sogar noch mehr. Nur
schade, dass beispielsweise der Apfelstrudel bis zum Dampfen in der
Mikrowelle erhitzt wird. Und während in anderen Kaffeehäusern Pianisten
aufspielen, gastieren im Drechsler regelmässig DJs, welche für
kaffeehausuntypische Klänge sorgen.
Fazit: Moderne und zeitgemässe Atmosphäre
macht sich im Café Drechsler breit, aber um ein Wiener Kaffeehaus
handelt es sich hierbei bei weitem nicht mehr. Und das machen auch die
alten Gewölbe, die Marmortische und die Karte nicht wett. Dennoch ist es
ein wirklich tolles Lokal und gewiss eine grosse Bereicherung für die
Wiener Gastronomie.
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