23. Bezirk, Maurer Hauptplatz

Von der gotischen Wehrkirche über barocke Kunstwerke bis zum radikalen Umbau der 1930er-Jahre erzählt die Pfarrkirche St. Erhard in Wien-Mauer eine bewegte Geschichte, in der sich Jahrhunderte von Glaube, Architektur und Kultur spiegeln.
Eine Erhardskirche im Dorf Mauer wurde erstmals im Jahr 1458 urkundlich erwähnt. Sie war im gotischen Stil errichtet worden und wurde von den damaligen Besitzern Mauers, den Herren von Eckartsau mit Sitz im Marchfeld (Schloss Eckartsau), gestiftet. Aufgrund der Lehenspflicht gegenüber dem Hochstift Regensburg wählte man dessen Kirchenpatron Erhard für das Gotteshaus in Mauer. Die ursprüngliche Kirche war als Wehrkirche mit massiven Mauern angelegt, dürfte jedoch während der beiden Türkenbelagerungen erhebliche Schäden erlitten haben.

1783 wurde Mauer von der Pfarre Atzgersdorf abgetrennt und zur selbständigen Pfarre erhoben. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte die inzwischen zu klein gewordene Kirche zudem ein Hindernis für die neu angelegte Strassenbahn dar. In den Jahren 1934 bis 1936 nahm der Architekt Clemens Holzmeister einen umfassenden Umbau vor: Das gesamte Langhaus wurde abgetragen und durch einen Neubau ersetzt, der im rechten Winkel zum Vorgängerbau stand. Lediglich der Turm aus der Erbauungszeit mit seinem Zwiebelhelm von 1770 sowie der gotische Chor blieben erhalten; letzterer wurde zur Seitenkapelle, der Erhardskapelle, umgestaltet.
Werke namhafter Künstler

Seit dem Umbau der 1930er-Jahre hat sich das Erscheinungsbild der Pfarrkirche Mauer stark verändert. Das neue Langhaus zeigt sich kastenförmig mit schlichtem Walmdach, während das frühere Langhaus im einfachen Barockstil mit entsprechenden Formen, Portalvorbau und Giebeldach gehalten war. So nüchtern der Neubau auch wirkt, umso wertvoller ist die erhaltene Ausstattung aus der Barockzeit. Dazu zählt eine Pietà von Giovanni Giuliani aus dem Jahr 1710. Um 1740 schuf Paul Troger das Hochaltarbild mit der Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit durch den heiligen Erhard. Eine prachtvolle Sonnenmonstranz wurde um 1707 von Gerhard Weixelberger, dem damaligen Abt von Heiligenkreuz, gestiftet. Der Kreuzwegzyklus im Langhaus stammt von Rudolf Eisenmenger aus dem Jahr 1934.

