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Café Savoy
6.
Bezirk, Linke
Wienzeile 36
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Das Ecklokal in einem
monumentalen Prachtbau an der Linken Wienzeile hiess anfänglich „Café
Wienzeile“ und war bekannt für die zwielichtigen Damen, die hier ihren
Körper zum Kaufe anboten. Mit dem Besitzerwechsel erhielt das Lokal den
heutigen Namen, und schon bald wurde es zum beliebten Treffpunkt schwuler
Männer und ist mittlerweile offiziell ein schwules Lokal und als solches in
jedem Gay-Guide zu finden. Unverkennbar weht über dem Eingang die
Regenbogen-Flagge. Vielleicht ist gerade dies der Grund, warum das Café
Savoy so ursprünglich und plüschig geblieben ist. Lange Zeit rühmte es sich
der beiden gigantischen Spiegel an der jeweils abschliessenden Wand, von
welchen man sagt, es seien die grössten Europas. Durch sie und den hohen Raum erscheint das Lokal viel grösser als es in Wahrheit ist. Die
alten Marmortische mit ihren unendlich schweren Gusseisensockeln, die
abgesessenen Stühle und die ledernen Bänke, welche da und dort arg
zerschlissen sind, könnten nirgends besser hinpassen als in das düstere
Lokal mit dem rettungslos abgetretenen Parkettboden. Der prachtvolle Luster
und die Jugendstil-Wandlampen tragen mit den dunklen Wänden und den schweren
Ornamenten an der Decke das Ihrige zur
morbiden Atmosphäre bei. Gleichzeitig wirken die grossen kitschigen
Stehlampen auf der Bar und die billigen goldenen Gardinen, welche seit
einiger Zeit den Raum dritteln, wie die berühmte Faust aufs Auge. |
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Das Savoy ist werktags nur
am Abend geöffnet und wird dann fast ausschliesslich von schwulen Männern
besucht. An Samstagen, wenn das Café auch tagsüber geöffnet hat, tummeln
sich hier jedoch allerlei Leute, die sich einfach einen Kaffee oder
eine Pause vom Bummel über den Naschmarkt oder den angrenzenden Flohmarkt
gönnen. Gelegentlich trifft man auch mal lokale oder internationale
Prominenz im Café Savoy an. Bei schönem Wetter sitzt man gerne draussen und
lässt sich vom vorbeirauschenden Verkehr inspirieren. Ein Barhocker ist
stets für die Herrin des Hauses reserviert, eine ältere, üppig geschminkte
und rauchende Dame mit einem kläffenden Hundchen, welches ebenfalls zum
Inventar gehört. Ein Erlebnis sind die sanitären Einrichtungen, welche den
Eindruck machen, seit Jahrzehnten keine Wartung mehr erfahren zu haben. Das
Café Savoy gehört heute zu Wien wie der Naschmarkt selbst und ist fast schon
eine Attraktion, auch wenn es nach dem Wandel zum schwulen Lokal mit
Barbetrieb nicht mehr zu den typischen Wiener Kaffeehäusern gezählt werden
kann.
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Erfahrungsbericht:
Das Savoy sollte man gesehen und erlebt haben. Man trifft hier freundliches
und aufmerksames Personal. Die Snacks und Mehlspeisen sind nicht
erwähnenswert, aber dafür gibt's ja den Naschmarkt gegenüber. Das (schwule)
Publikum ist bunt gemischt von normal über verstaubt bis schrill. Am
schönsten ist es im Savoy abends, wenn es draussen dunkel ist und somit die
Morbidität des düsteren Lokals ganz besonders zur Geltung kommt.
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