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Produktenbörse
(Börse für landwirtschaftliche Produkte)

2. Bezirk, Taborstrasse 10
 

Um 1812 erliess Kaiser Franz II. ein Hofkanzleidekret, wodurch der Getreidehandel zum freien Geschäft erklärt wurde. Somit Gelangte das Getreide nicht mehr wie bis anhin vom Hersteller direkt zum Verbraucher, sondern wurde Handelsware. Eigens hierfür wurde im Jahre 1853 die „Wiener Frucht- und Mehlbörse“ gegründet, welche jedoch vorerst noch dem Wiener Magistrat unterstand. Die Loslösung erfolgte nach langen Bemühungen erst um 1869, worauf die autonome Börse für landwirtschaftliche Produkte etabliert werden konnte.

Der Handel wuchs und die Mitgliederzahl ebenfalls, was schon bald die Notwendigkeit eines eigenen Gebäudes zur Folge hatte. Der namhafte Wiener Architekt Karl König erhielt 1887 den Auftrag zur Planung und zum Bau der neuen Produktenbörse an der Taborstrasse in der Leopoldstadt. Bereits im August 1890 konnte die Börse das neue Gebäude beziehen und eröffnen.

 

Der Untergang der Donaumonarchie bescherte der Produktenbörse magere Zeiten, dennoch erholte sie sich zusehends und erlebte erneut eine Blütezeit. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Börsengebäude schwer beschädigt, und der grosse Handelssaal brannte aus. Jedoch gleich nach dem Ende des Krieges wurde das Gebäude innert kurzer Zeit wiederhergestellt und konnte bereits im Juli 1949 wieder in Betrieb genommen werden.

Das prachtvolle Gebäude im Stil der Neorenaissance ist reich verziert mit plastischem und figuralem Schmuck. Korinthische Säulen und Karyatiden dominieren das Erscheinungsbild der Hauptfassade an der Taborstrasse. Unter der Monumentalgiebelgruppe ist eine lateinische Widmung angebracht, welche heisst "IN USUM NEGOTIATORUM CUIUSCUMQUE NATIONIS AC LINGUAE" ("Den Kaufleuten aller Völker und jeder Sprache gewidmet").

Der grosse Börsensaal stand jedoch bis in die 80er Jahre leer und wurde nicht mehr benutzt. Der Saal hat eine basilikale Form und wird von mächtigen Rundsäulen dominiert. Eine Theatergruppe, das „Serapions Theater“, machte es sich zur Aufgabe, den ehemaligen Börsensaal für ihre Produktionen zu nutzen. Diese ehrgeizige Aufgabe ist geglückt, und heute finden hier regelmässig Theatervorführungen statt. Das Theater ist eher unter der Bezeichnung „Odeon-Theater“ bekannt, was auf die alte griechische Bezeichnung „Odeon“ zureckgeht, der Begriff für einen überdachten quadratischen Platz, welcher Gesang- und Tanzvorführungen diente.




Alte Aufnahme des grossen Börsensaals



Die Produktenbörse um die Jahrhundertwende


 

 

 

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