9. Bezirk, Spittelauer Lände 45

Die Müllverbrennungsanlage Spittelau ist weit mehr als ein Zweckbau: Friedensreich Hundertwasser verwandelte sie in ein farbenprächtiges Wahrzeichen Wiens und verband dabei Kunst, Architektur und Ökologie.
Nachdem das Projekt mit dem Hundertwasserhaus an der Löwengasse trotz anfänglicher Skepsis in der Bevölkerung grosse Begeisterung ausgelöst und sich auch in ökologischer Hinsicht bewährt hatte, erhielt Friedensreich Hundertwasser einen weiteren bedeutenden Auftrag in Wien. Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk beauftragte den Künstler mit der Neugestaltung der Müllverbrennungsanlage Spittelau, die am 15. Mai 1987 durch einen Brand schwer beschädigt worden war. Zunächst zögerte Hundertwasser, den Auftrag anzunehmen. Doch nachdem der bekannte österreichische Biologe Bernd Lötsch ihn über die Möglichkeiten einer ökologischen Abfallverwertung aufgeklärt hatte, willigte Hundertwasser schliesslich ein.

Mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau entstand die effizienteste Abfall- und Rauchgasreinigungsanlage Europas, die rund ein Drittel der Wohnungen Wiens mit umweltschonender Wärme versorgt. Diese wird aus der bei der thermischen Abfallverwertung gewonnenen Energie erzeugt. Modernste Filtertechnik sorgt dafür, dass schädliche Stoffe wie Staub, Salzsäure, Dioxine und Schwermetalle weitgehend abgesondert werden. Pro Stunde verbrennt die Anlage rund 16,5 Tonnen Hausabfall und erzeugt dabei 6 Megawatt Strom sowie 60 Megawatt Wärmeleistung.

Ähnlich wie beim Hundertwasserhaus an der Löwengasse stiess auch die ungewöhnliche Gestaltung der Müllverbrennungsanlage Spittelau in der Wiener Bevölkerung zunächst auf Skepsis. Das Resultat erwies sich jedoch als eindrucksvoll: Hundertwasser verwandelte den einst nüchternen und wenig ansprechenden Fabrikbau aus Beton in ein weithin sichtbares Kunstwerk. Die Anlage wurde zum Sinnbild für die Idee einer abfallfreien Gesellschaft ebenso wie für wiedergewonnene Schönheit. Markantestes Merkmal der Anlage ist die weithin sichtbare, golden schimmernde Kugel auf dem 126 Meter hohen Turm. Gemeinsam mit den für Hundertwasser charakteristischen Formen und Gestaltungselementen prägt sie die Silhouette der Spittelau und ist längst zu einem festen Bestandteil des Wiener Stadtbildes geworden. Aus einem reinen Zweckbau schuf Friedensreich Hundertwasser damit eine weitere Sehenswürdigkeit Wiens.
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