Café Ministerium

1. Bezirk, Georg-Coch-Platz 4

das café ministerium in wien, innenansicht

Das Café Ministerium ist ein Stück authentische Wiener Kaffeehauskultur abseits der Touristenströme – mit viel Patina, treuer Stammkundschaft und besonderem Charme.


Dass dieses Café «Ministerium» heisst, kommt nicht von ungefähr. Am Georg-Coch-Platz gelegen, befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft die Wirtschaftskammer, die Postsparkasse und das ehemalige Kriegsministerium, das heute unter anderem das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft beherbergt. An Ämtern und öffentlichen Einrichtungen mangelt es in der Umgebung also nicht.

Entsprechend naheliegend ist es, dass sich im Café vorwiegend Beamte und Geschäftsleute aus den umliegenden Institutionen einfinden. Dies erklärt auch, weshalb das Kaffeehaus nur an Werktagen geöffnet ist. Angestellte der benachbarten Einrichtungen machen rund vier Fünftel der Kundschaft aus, und auch die Speisekarte orientiert sich vorwiegend an deren Bedürfnissen. So werden wechselnde Mittagsmenüs angeboten, daneben hält die Küche klassische Wiener Gerichte bereit.

planet-vienna, café ministerium in wien

Das stattliche Ringstrassengebäude wurde 1905 von Leopold Fuchs im späthistoristischen Stil errichtet. In den Räumlichkeiten des heutigen Cafés befand sich ursprünglich ein Eisenwarenhandel. 1935 eröffneten hier die Schumanns, eine von zahlreichen Wiener Kaffeesiederfamilien, den ersten Gastronomiebetrieb. 1960 übernahm Karl Tiroch das Kaffeehaus, nachdem er hier zuvor viele Jahre als Oberkellner tätig gewesen war. Seit 1980 führt sein Sohn Kurt das Café gemeinsam mit seiner Frau Bernadette.

Interieur eines typischen Kaffeehauses

planet-vienna, café ministerium in wien

Das Ministerium ist ein vergleichsweise kleines Kaffeehaus, entspricht in seiner Einrichtung jedoch ganz dem klassischen Wiener Typus. Elegante Kugelleuchten im Jugendstil, abgesessene Samtsitzgarnituren, Marmortischchen und ein Fischgrätparkett verleihen dem Lokal jene Patina, die wesentlich zu seinem besonderen Charakter beiträgt. Erfreulich ist, dass bei der Renovation des Kaffeehauses darauf geachtet wurde, diese authentischen Spuren der Zeit zu bewahren. Einzig die Schank fügt sich nicht recht in das Gesamtbild ein: Sie erinnert eher an die Theke eines gewöhnlichen Vorstadtbeisls.

Zwischen dem Hauptraum und den sanitären Einrichtungen befindet sich ein Clubraum, der mittags als Speisesaal genutzt wird. In der warmen Jahreszeit erstreckt sich vor dem Kaffeehaus auf dem autofreien Platz ein grosszügiger Schanigarten. Vor- und nachmittags, wenn die meisten Menschen ihrer Arbeit nachgehen, präsentiert sich das «Ministerium» meist beschaulich und ruhig.

Das Fazit ist klar: Das Ministerium ist ein ausgesprochen schönes und typisch wienerisches Kaffeehaus mit einer ausgeprägten Stammkundschaft. Nicht zuletzt aufgrund seiner Öffnungszeiten wird es von Touristen kaum aufgesucht.


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