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Parlament
1. Bezirk, Dr.-Karl-Renner-Ring
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Als 1861 der
Reichsrat geschaffen wurde, plante man den Bau zweier getrennter Gebäude je
für das Herrenhaus und das Abgeordnetenhaus. Nach dem Ausgleich mit Ungarn
jedoch wurde dieser Plan nichtig, und man begann mit dem Projekt eines
Monumentalbaus, dessen Spatenstich am 2. September 1874 unter der Leitung
des Architekten Theophil Hansen erfolgte. Neun Jahre später wurden die neuen Räumlichkeiten von den beiden Häusern
bezogen, welche hier tagten bis zum Ende der Österreich-ungarischen
Monarchie. Hansen
war zur gleichen Zeit als Lehrkraft für antike Baukunst an der Akademie in
Wien tätig. Zu seinen Schülern gehörte der berühmte Architekt Hans Auer, der
das prunkvolle Bundeshaus in Bern errichtete. Für
den Bau des Wiener Parlaments zog man Materialien heran aus fast allen
Monarchien. Dies sollte das Zusammenströmen der Kräfte „aller im Reichsrat
vertretenen Königreiche und Länder“ symbolisieren.
Während des Zweiten Weltkrieges war im Parlamentsgebäude die Gauleitung
mit Reichsverteidigungskommissar Baldur von Schirach an der Spitze
einquartiert. |
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In den Kellergewölben hat er sich seinen privaten
Schiessstand eirichten lassen. Wurde Fliegeralarm geschlagen, brauste von
Schirach mit seinem Auto stadtauswärts die Thaliastrasse entlang zu seinem
Gefechtsstand am Gallitzinberg. Die Wiener gaben der Thaliastrasse daher
den spöttischen Übernamen „Heldenstrasse“. Durch
Bombenniedergänge wurde das Parlament fast zur Hälfte zerstört. Besonders
schwer traf es die Säulenhalle. Die reiche Kassettendecke und das
prächtige Friesgemälde mit einer Länge von 121m und einer Breite von 2m
wurden sehr stark beschädigt. Beim Wiederaufbau des Gebäudes verwendete
man anstelle des ursprünglichen Pavonazzo-Marmors Salzburger Marmor. Das
Friesgemälde konnte man vorerst nicht rekonstruieren. Erst in den
90er-Jahren wurde dies zum Teil möglich.
Zahlreiche weitere Zerstörungen konnten nur annähernd ihrem ursprünglichen
Bild wiederhergestellt werden. Die Architekten bemühten sich, so gut wie
möglich an den Ideen Hansens orientiert zu arbeiten und diese auszubauen. |
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Heute erstrahlt das Haus wieder in vollem Glanz und überragt majestätisch
die Ringstrasse. Seine lange Säulenfront und die Dreiecksgiebel verleihen
ihm das Äussere eines antiken Tempels des griechischen Klassizismus. Der
grosse Dreiecksgiebel über den Säulen ist mit zahlreichen Figuren
versehen, welche vor goldenem Hintergrund stehen. Vor
das Hauptportal führt jeweils von links und rechts her eine breite
Auffahrt. In der Mitte – zwischen Ringstrasse und erhöhtem Hauptportal –
steht der grosse Brunnen mit der Göttin Athene mit goldener Krone und
goldenem Brustpanzer, welche auf einer Säule steht und einen Speer in der
Hand hält. Sie ist die Göttin der Weisheit und Schutzpatronin der
Wissenschaft und der Kunst. Der Brunnen ist das Werk von Karl Kundmann.
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