|
Der französische
Architekt M. Destailleur entwarf einen riesigen Wohnpalast im Stil der
für Wien ungewöhnlichen französischen Neorenaissance. Der ängstliche
Albert wünschte einen sicheren Abstand von der Strasse her und Schutz
vor möglichen Eindringlingen. So war der grosse Ehrenhof mit einem hohen
massiven Eisenzaun gegen die Strasse hin abgeschlossen.
Von hier aus gesehen erweckte der Palast den
Eindruck einer Trutzburg. Das Innere des Palais war mit einer
atemberaubenden Fülle an Pracht und Kunst ausgestattet. Die Räume waren
aussergewöhnlich gross und verschwenderisch. Allein der Tanzsaal zählte
sich in Wien zu den grössten im privatem Kreise. Zahlreiche Feste und
Bälle hat das Haus gesehen. Alberts Ehefrau Bettina starb im März 1892
an einer Krankheit, worauf Albert nicht mehr geheiratet hat. Er hatte
lediglich eine Beziehung zu Helene Odilon, der früheren Frau des grossen
Wiener Volksschauspielers Alexander Girardi. Albert Rothschild starb
1911, sein Nachkomme war Louis Rothschild.
Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er
Jahre trieb auch das Bankhaus Rothschild in finanzielle Nöte, worauf
Louis gezwungen war, in ein bescheideneres Haus in der Nachbarschaft zu
ziehen. Das Palais an der Prinz Eugen-Strasse stand leer. Nach dem
Anschluss Österreichs an Deutschland wurde Louis Rothschild am Flugplatz
Aspern festgenommen und im berüchtigten Hotel Metropol am
Morzinplatz
gefangen gehalten. Gegen die Zahlung grosser finanzieller Beträge an
Heinrich Himmler konnte sich Louis freikaufen und fliehen. Sein Palais
wurde „arisiert“ und beherbergte fortan die „Zentralstelle für jüdische
Auswanderung“, welches später bloss eine beschönigende Bezeichnung war
für die Koordination für die Deportationen der österreichschen Juden in
die Vernichtunslager im Osten. Die Leitung hatte Adolf Eichmann inne.
Die Bombenangriffe von 1944 fügten dem
Palais Albert Rothschild Schäden zu, welche allerdings nicht
vergleichbare Ausmasse hatten wie diejenigen am Palais seines Bruders.
Das Haus war durchaus weiterhin bewohnbar und diente nach dem Krieg als
Unterkunft der sowjetischen Besatzungsmächte. Louis Rothschild hatte
keine Pläne, das Bankhaus wieder zu eröffnen, und niemand interessierte
sich für den Prachtbau, was das Schicksal dessen besiegelte. Das
Interieur wurde im Jahre 1955 zu Spottpreisen verkauft und danach das
prachtvolle Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Louis Rothschild starb
im selben Jahr ohne Nachkommen in den USA. |