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Jesuitenkirche
1. Bezirk, Dr. Ignaz Seipel
Platz
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Seit 1551 sind die Jesuiten in Wien tätig. Ursprünglich waren sie im
Dominkanerkloster gleich neben der alten Universität untergebracht und
hielten hier Vorlesungen. Im Jahre 1623 übernahmen sie an der alten
Universität den humanistischen, theologischen und philosophischen
Lehrstuhl und wurden von Kaiser
Ferdinand II. verpflichtet, an der
Universität ihre eigenes Kollegium zu führen. Weiter umfasste diese
Verpflichtung die Instandstellung und das Ausbauen der vorhandenen Gebäulichkeiten sowie die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes für die
Universität und eine repräsentative Kirche. Die Bauarbeiten wurden 1624
in Angriff genommen (Planentwerfer und Baumeister sind unbekannt).
Sieben Jahre später wurde die neue Kirche von Kardinal Dietrichstein
eingeweiht. Im Juli selben Jahres wurden aus Innsbruck via Inn und Donau
fünf Turmglocken, ein Geschenk des Erzherzogen Leopold, für die
Jesuitenkirche nach Wien gebracht. |
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Da
die Schlacht am Weissen Berg gewonnen worden war und der Jesuitenorden das
Evangelium fast in der ganzen Welt verbreitet hatte, liess Kaiser Ferdinand
II. die Kirche gleichsam als Siegesdenkmal errichten. Davon zeugt die
Inschrift an der Aussenfassade: DEO VICTORI. TRIUMPHATORI OPT. MAX.
TROPHAEUM HOC IN MEMORIAM. B. VIRGINIS. MARIAE . SSQ. IGNATII. ET FRANCISCI
XAVERII. FERDINANDUS II. IMPERATOR. STATUIT. M. DC. XXVII. Übersetzt
bedeutet dies: „Gott, dem Sieger, dem Triumphator, dem Besten, Grössten hat
Kaiser Ferdinand II. dieses Siegesdenkmal in Gedanken an die selige Jungfrau
Maria und an die Heiligen Ignatius und Franz Xaver errichtet 1627.“) Die
mächtige Doppelturmfassade beherrscht den beschaulichen Dr. Ignaz-Seipel
Platz. In der Mitte das Portal, bekrönt vom Wappen Kaiser Ferdinands II. in
einem gesprengten Giebel, links und recht davon je eine Seitentür. Diese
beiden Türen wurden erst im Jahre 1892 anstelle zweier Fenster hinzugefügt.
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Im
mittleren Teil der dreigeschossigen Fassade sind ein Mittelfenster, zwei
kleine Fenster und sechs Nischen mit Statuen angebracht. Sie stellen die
Heiligen Katharina, Josef mit Jesuskind, Leopold, Barbara und die beiden
Jesuitenpatrone Franz Xaver und Ignatius dar. Das ursprüngliche Innere der
Kirche war schlicht. Es war ein basilikenähnliches, 50m langes und 26m
breites Langhaus mit einem einfachen Tonnengewölbe und Pilastergliederung.
Acht Seitenkapellen mit Altären säumten das Langhaus, und grosse Fenster
liessen reichlich Licht ins Kircheninnere fallen. |
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In den Jahren 1702-1705 weilte der südtiroler Jesuitenpater
Andrea Pozzo in Wien, von Kaiser
Leopold I. herbei berufen. Dieser beuaftragte Pozzo mit der Neugestaltung der Jesuitenkirche, mit der er um
1703 begann. Er integrierte in jede der acht Seitenkapellen eine Empore, von
denen alle miteinander verbunden sind. Jede der Emporen ragt im Halboval in
das Langhaus und ist in der Mitte oval durchbrochen. Die Altäre in den
Seitenkapellen, welche bislang an den Trennwänden standen, wurden nun an die
Aussenwand umplatziert und die Trennwände beidseitig mit grossen
Tafelgemälden versehen, welche Szenen mit Männern, Frauen und Kindern aller
gesellschaftlichen Stände zeigen. |
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Über dem Eingang wurde eine zweigeschossige Empore eingebaut,
in welche die Orgel integriert wurde. Um den Lichteinfall durch das grosse
Fenster in der Turmfassade nicht zu dämpfen, wurde das obere Emporengeschoss
etwas zurückversetzt angebracht. Der Mittelteil des unteren
Emporengeschosses fällt analog zu den Seitenemporen halboval in den
Kirchenraum. Die obere Empore wird von zwei Pfeilern mit Pilastern getragen,
welche ihren Abschluss in zwei prachtvollen Steinvasen als Aufsätze finden.
Das Langhaus ist an den Seiten durch mächtige Pfeiler und Säulen mit
wundervollen Kapitellen, welche den Architrav tragen, gegliedert. Wohl
weithin einzigartig sind die mächtigen geschwungenen Säulen aus Stuckmarmor.
Das Langhaus endet im Chor mit dem mächtigen Hochaltar, hinter dem zwei
Fenster viel Licht einfallen lassen. |
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Der Hochaltar wird links und rechts je von einer Halb- und
einer Vollsäule beherrscht, welche ein grosses Sprengwerk tragen. In der
Mitte, als Zentrum des Altars, das grossartige Ölgemalde Mariae Himmelfahrt.
Hoch darüber überdacht eine überdimensionale goldene Krone mit rotem
Baldachin den Hochaltar. Links und rechts trägt je eine Engelsfigur einen
Teil des Stoffes des Baldachins.
Ein grossartiges Meisterwerk sind die Deckenfresken im Langhaus und im Chor.
Es ist grösstenteils perspektivisch illusionistische Malerei
(Trompe-l’oeil), wovon der fasziniernste Teil die grosse Scheinkuppel
darstellt (s. bild unten), auf welcher eine Laterne Licht einfallen lässt und an dessen Ende
der allmächtige Schöpfer erscheint. |
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Die Tiefenwirkung des Gemäldes ist einzigartig. Die übrigen
Fresken zeigen weitere Darstellungen von Szenen zwischen Himmel und Erde,
Engelsturz, Aufruhr der Engel, Frohlocken und Gotteslob derselben sowie
Szenen aus dem 112. und 113. Psalm. Das grosse Deckenfresko im Chor über dem
Baldachin des Hochaltars zeigt die glorreiche Heimführung der gesamten
Schöpfung in die Obhut des dreifaltigen Gottes. Weitere kostbare
Meisterwerke sind das Gebänk mit reichen Schnitzarbeiten und –aufsätzen, die
grossartig angefertigten, mit Intarsien und vergoldeten Aufsätzen versehenen
Beichtstühle und die prunkvolle Kanzel an der linken Langhausseite. Sie ist
mit kostbaren Perlmuttintarsien und vergoldetem Figurenschmuck versehen. Die
Hauptfigur auf der Spitze des Schalldeckels zeigt den Jesuitenheiligen Franz
Xaver wie er einen Heiden tauft, darunter Symbolfiguren für Glaube, Liebe
und Hoffnung. |
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Das vergoldete Relief an der Kanzelrückwand zeigt die Taufe
Jesu. Am Kanzelkorb sind die Evangelisten Lukas, Matthäus, Johannes und
Markus angebracht sowie goldener Girlandenschmuck und Putti, von denen eine
die Gestalt eines kleinen Teufels hat. Die Kolossalarchitektur des
hauptsächlich in Ocker und fleischfarben gehaltenen Innenraumes, welche sich
besonders durch die Anordnung der mächtigen Säulen und Pilaster ausdrückt,
steht in einem grossartigen Gegensatz zu den zahllosen Feinheiten über den
Rundbögen der Seitenkapellen. All die Intarsien, Schnitzereien und
Stukkaturen in Gold überwältigen den Besucher beim Betreten der Kirche.
Andrea Pozzo hat mit der Jesuitenkirche zweifelsohne eines der
grossartigsten, beeindruckendsten und schönsten sakralen Bauwerke Wiens
geschaffen.
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Die beeindruckende Scheinkuppel |
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Die Sakristei mit Mobiliar aus dem 17. & 18. Jh.
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Die Jesuitenkirche um 1754 |
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