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Joseph Lanner (1801-1843)

"Vater des Wiener Walzers"

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Vorwort
des Autors

Joseph Lanner soll hier ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Zweifelsohne hat er mit seinem Schaffen die Entwicklung der Wiener Musik im 19. Jh. am stärksten geprägt. Daher ist es besonders denkwürdig, dass man über diese wichtige und einflussreiche Person kaum etwas weiss, da es an belegten Überlieferungen und niedergeschriebenen Fakten über sein Leben fehlt. Es gab Zeiten nach seinem Tod, in denen er fast vergessen wurde. Erst 1904 schrieb Fritz Lange eine Lanner-Biographie, welche jedoch bis Anfang des neuen Jahrhunderts die einzige bleiben sollte. Lanners Tochter Katharina liess einen Grossteil des Nachlasses in alle Winde verstreuen, und von den mehr als 200 privaten Briefen blieben nur ein paar wenige übrig. Aus diesem Grunde und weil er ein vergleichsweise kurzes Leben hatte, ist es schwierig, eine Biographie über ihn zu verfassen.

Einige Details im folgenden Lebenslauf werden heute angezweifelt, oder aber es spalten sich die Meinungen von Experten. Da aber vieles auf einer ausführlichen Beschreibung des Lebens Lanners aus der Jahrhundertwende stammt, ist es angesichts der Tatsache, dass zur damaligen Zeit noch zahlreiche Zeitzeugen lebten und ihr Wissen über den Menschen Lanner weitergeben konnten, greifbar, dass die Einzelheiten auf fundierten Kenntnissen basieren - auch wenn mancher heutzutage es besser zu wissen glaubt. Fakt bleibt, dass von Joseph Lanner bedauerlich wenig überliefert ist. Die anschliessend niedergeschriebenen Fakten erheben aus den eben genannten Gründen keinen Anspruch auf 100%ige Richtigkeit.

Ein eigenes Denkmal für ihn wurde nie errichtet. Einzig im Wiener Rathauspark befindet sich ein überlebensgrosses Statuenduo, das ihn zusammen mit Johann Strauss Sen. zeigt. Ein ähnliches Denkmal steht im Kurpark von Baden bei Wien. An sich fast enttäuschend, dass die Stadt Wien demjenigen Genius, welcher ihr zu dem ruhmvollen Beinamen "Walzerstadt" verhalf, ja gar den auf der ganzen Welt gängigen Begriff "Wiener Walzer" begründete, kein Monument gesetzt hat! Anfang des 20. Jh. befand sich in seiner Geburtswohnung eine Gedenkstätte, welche aber nicht lange existierte. Mittlerweile gibt es jedoch Forschungsprojekte und Studien, die sich mit dem Phänomen Joseph Lanner auseinandersetzen und versuchen, Licht in die Materie zu bringen. 2004 wurde in Wien von Christian Simonis und Prof. Dr. Wolfgang Dörner die Joseph-Lanner-Gesellschaft gegründet.
 

 

 

Geburt und Familie

Geboren wurde Joseph Lanner am 12. April 1801 im damaligen Wiener Vorort St. Ulrich an der heutigen Mechitaristengasse 5 (damalige Adresse: St. Ulrich Nr.10). Die Wohnung, bestehend aus Küche, Zimmer, Kammer und einer Werkstatt, befand sich im zweiten Stock des Gebäudes. Aus dem Taufprotokoll der Pfarre St. Ulrich geht hervor, dass Joseph Lanner noch am Tage seiner Geburt getauft wurde. Aufgrund einer kleinen Unreinheit in der Schrift wurde Lanners Geburtsdatum oft falsch angegeben, und selbst auf seinem Grabstein auf dem Döblinger Friedhof stand vorerst das Geburtsdatum 11. April 1800. Erst nachdem Joseph Lanners Tochter Katharina in ihren Urkunden einen Taufschein ihres Vaters fand, wurde Joseph Lanners korrektes Geburtsdatum bekannt.
 

Die Lanners waren eine typische Wiener Kleinbürgerfamilie. Josephs Mutter, Maria Anna Scherhauff, wurde am 15. September 1772 in der Wiener Rossau geboren und war eine Wirtschafterin. Ihr Vater, Wolfgang Scherhauff, war zuvor von Oberösterreich nach Wien umgezogen und soll unter anderem Schiffsschreiber, Wirt, Holzversilberer, Mehlmesser und Geflügelhändler gewesen sein. Joseph Lanners Vater, Martin Lanner, wurde am 11. November 1771 in der heutigen Porzellangasse 18 ebenfalls in der Wiener Rossau geboren und war ein Handschuhmachergeselle, respektive k.u.k. priv. Handschuhmacherfabrikant, denn in der oben genannten fehlerhaften Taufurkunde, wurde „Handschuhmachergeselle“ durchgestrichen und mit „k.u.k. priv. Handschuhmacherfabrikant“ ersetzt.

Zudem war da „Lanner“ als „Laimer“ vermerkt, was eine weitere Unkorrektheit war. Martin Lanners Vater Peter, manchmal als „Lohner“ oder auch "Lahner" erwähnt, war im Jahre 1771 als Khevenhüller'scher Leibhusar von Niederösterreich nach Wien berufen worden. Martin Lanner war ein biederer, mittelgrosser, beflissener Mann mit freundlichen Umgangsformen. Schon in Jugendjahren schätzte er Musik und ab und zu einen guten Wein. Neben Joseph schenkten Anna und Martin Lanner noch weiteren sieben Kindern das Leben, von denen jedoch sechs schon im Kindesalter starben. Beispielsweise Susanne. Sie wurde 1817 geboren und starb erst dreijährig im Haus am Heumarkt 11, wo die Familie Lanner für kurze Zeit wohnte. Das Haus stand ungefähr an der Stelle, wo heute das Palais Miller-Aichholz steht.

Nur Anna, geboren 1811 und „Netti“ genannt, überlebte die Kindheit. Das Jahr 1811 stand im Zeichen einer verheerenden wirtschaftlichen Misere, und auch Familie Lanner hatte grosse Mühe, sich über Wasser zu halten. Daher kam die Geburt Annas denkbar ungelegen.
Das Mädchen litt unter den schwierigen Umständen, konnte diese jedoch dank ihres robusten Wesens meistern. Sie bewies schon in jungen Jahren grosses Talent für Fremdsprachen und war daher später bei wohlhabenden Familien als Lehrerin der französischen Sprache angestellt. Dadurch war sie oft unterwegs und kehrte immer seltener zu ihrer Familie zurück. Als sie des Reisens überdrüssig geworden war, liess sie sich in Alexandrien und heiratete einen gewissen Zecchini. Hier starb sie im hohen Alter von 81 Jahren. Die Todesanzeige fand den Weg nach Wien, in welcher es wörtlich hiess: „Dem Allmächtigen hat es gefallen, heute um 4 Uhr nachmittags unsere geliebte Pflegemutter Anna Zecchini, geb. Lanner im 81. Lebensjahre nach schmerzvoller Krankheit zu erlösen. die Beerdigung findet morgen Donnerstag, vormittags um 9.30 Uhr von der Okelle Anglaise aus statt. – Alexandrien, den 9. März 1892.“

 

Kindheit und Jugend

Der kleine Joseph war der Wonneproppen des Hauses. Er wurde gehätschelt und das nicht nur von den Familienangehörigen, sondern auch von den Gesellen und Lehrburschen der väterlichen Werkstatt. Schon früh nahm Vater Lanner den kleinen Joseph mit zu musikalischen Veranstaltungen. Das Kind zeigte reges Interesse an den Darbietungen, was der Vater freilich bemerkte, jedoch nicht weiter beachtete. 1805 zog die Familie Lanner um ins Altlerchenfeld und bewohnte das Haus an der heutigen Lerchenfelder Strasse 58. 1807 zog die Familie abermals um nach Oberneustift ins Haus "Zum weissen Schwan". Schulisch soll Joseph nicht besonders brilliert haben, denn das Erlernen von Lesen und Schreiben fiel ihm sehr schwer, wohingegen er aber stets für seine schöne und saubere Handschrift bewundert wurde.
Entgegen der Annahme, dass Joseph das Handwerk seines Vaters hätte erlernen sollen, muss er  laut neueren Angaben am 1. Dezember 1812 in die Schule für Erzverschneidung an der Akademie der bildenden Künste eingetreten sein und eine Lehre als Graveur begonnen haben. Nach zwei Jahren hat er die Lehre offensichtlich abgebrochen. Denkbar, dass er dies getan hat, weil er sich eher zur Musik hingezogen fühlte. Eine andere Quelle sagt aus, dass Lanner eines Tages zum Ärger des Professors in überaus heiterer Stimmung zum Unterricht erschienen sei.
 

Nachdem sich herausgestellt habe, dass Lanner betrunken gewesen sei, habe man ihn von der Schule verwiesen. Sein Vater soll ausser sich gewesen sein vor Wut, während Joseph gejubelt habe. Auf das stete Drängen seines Sohnes hin soll Vater Lanner ihm darauf erlaubt haben, Violinunterricht zu nehmen (man weiss nicht, wer ihn unterrichtet hat). Aus der 'Oesterreichischen National-Encyklopädie' aus dem Jahre 1835 geht hervor, dass Lanner - abgesehen von dem bescheidenen Violinunterricht - seine Musikkenntnisse nahezu gänzlich aus sich selbst gezogen hat. Lanner muss sich im Geigenspiel nach seinem bescheidenen Unterricht jedoch fast ausschliesslich selber weitergebracht haben, hatte er doch ein ungewöhnlich grosses Talent dafür. Und er muss ein wahrer Virtuose gewesen sein, ein neuer Paganini, was aus der sehr anspruchsvollen Technik und all den Raffinessen in seinen Werken zu schliessen ist. Allein Lanners Autodidaktik in dieser Kunst macht ihn schon zu einem Phänomen!

Seine berufliche Musikerlaufbahn begann Joseph Lanner wohl vorerst als Mitwirkender in kleineren Kapellen und Ensembles und trat dann vermutlich bereits als 12jähriger dem Orchester von Michael Pamer bei, nachdem sich die wirtschaftliche Lage erholt hatte und das väterliche Hutmachergeschäft wieder gewinnbringend geworden war. Die enormen Fortschritte des Jungen beim Geigenspiel erregten regelrechtes Aufsehen. Mit der Zeit soll es Lanner aber nicht mehr gut gefallen haben bei Pamer, denn dieser soll ein sonderbarer Mensch gewesen und durch einen enormen Alkoholgenuss zu einem unerträglichen Menschen mutiert sein. So soll er stets sein Honorar vom Abend am nächsten Tage schon wieder verprasst haben. Zudem soll er steten Heisshunger gehabt haben und durch seine extremen Gemütsschwankungen zum Melancholiker geworden sein. Der aus armen Verhältnissen stammende Pamer hatte kein glückliches Familienleben.

 


Lanner macht sich selbständig

Nach der Trennung von Pamer traf sich Joseph Lanner, welcher mit seiner Familie inzwischen ins Laimgrubenviertel umgezogen war, regelmässig mit einigen gleichgesinnten Freunden, um mit ihnen in einer hofseitigen Kammer fleissig zu musizieren. Doch das wurde Lanner bald zu langweilig, und er war überzeugt, dass er es als Leiter eines eigenen Ensembles zu etwas bringen könnte, denn dies war seit Kindesalter sein Traum. Im Jahre 1818 gründete er mit den Gebrüder Drahanek ein eigenständiges Trio, in welchem er die erste Geige spielte. Die beiden aus Böhmen eingewanderten Musiker kannte Lanner schon länger. Der ältere von den beiden spielte die Gitarre, sein Bruder die zweite Geige. Pamer war verbittert, als er von dem neuen Terzett erfuhr und prophezeite ein Scheitern. Lanners erfolgreiches Debut mit den Gebrüder Drahanek erfolgte im Jahre 1819 im Kaffeehaus von Johann Jüngling.

Wenig später spielte er auch im „Grünen Jäger“ auf, wo seine Musik ebenso grossen Anklang fand. Schon bald war Joseph Lanner in aller Munde, denn seine Musik war anders als die bisherige, sie war aussagekräftiger, sie war einfallsreicher, sie war gefühlvoller, und sie war vor allem eins: besser! Die Zeit der ordinären Bierfiedler schien vorbei zu sein, denn jetzt hat das Wiener Volk den Zauber von Lannermusik zu spüren gekriegt. Es war aber wohl auch die Gunst des Zeitpunktes, welche dem Trio Lanner-Drahanek den Erfolg gewährte, denn in Wien ist nach den Wirren des Krieges endlich Friede eingekehrt, und eine sprichwörtliche Glückseligkeit lag über der Stadt, was die Bevölkerung nach Genüssen für die Sinne dürsten liess. Ein regelrechter Vergnügungsrausch übermannte die Kaiserstadt, und keiner wollte sich ernster Dinge annehmen, sondern sich amüsieren – Tag und Nacht. Man konnte sich diese Vergnügungen leisten, denn das leben in Wien war zu der Zeit sehr billig.

 

Begegnung mit Strauss

Vier Jahre nach der Gründung von Lanners Kapelle wurde Gioacchino Rossini in Wien bekannt und überaus beliebt. Ein wahrhaftiges Rossini-Fieber überkam die Bevölkerung, was die nachfrage nach Wiener Musik vorübergehend sinken liess. Dies war möglicherweise der Grund, warum Lanner mit seinem Ensemble um Erlaubnis ersuchte, in Baden bei Wien aufspielen zu dürfen, um so Geld zu verdienen. Es kam nun das Jahr 1825, welches eine wichtige Veränderung im Leben Lanners und dessen Laufbahn bringen sollte: Schon als Lanner im „Grünen Jäger“ gespielt hatte, war da des öfteren ein junger Mann zugegen, welcher mit Genuss dem Spiel Lanners zuhörte und den Wunsch in sich trug, in dessen Kapelle zu spielen. Es war Johann Strauss der Ältere, welcher ebenfalls eine Zeit lang in Pamers Orchester mitgespielt hatte, bis er aus denselben Gründen wie Lanner sich von Pamer trennte

Er wandte sich an den jüngeren Drahanek, welcher sogleich vermittelte und Lanner dazu bewog, Johann Strauss als Bratschisten im Ensemble aufzunehmen. Seine Integration erfolgte unmittelbar und hätte nicht besser sein können. Das Quartett harmonierte ausgezeichnet, und ganz besonders das Verhältnis zwischen Lanner und Strauss entwickelte sich zu einer engen Freundschaft. Als die beiden eines Tages zusammen im Kaffeehaus sassen und sich unterhielten, entstand die Idee, dass sie sich gemeinsam eine Wohnung teilen könnten.

Innert Kürze wurde dieser Plan in die Tat umgesetzt, und die beiden bezogen ein bescheidenes Apartment im Haus Nr. 18 der „Windmühle“. Und obschon sie über ihre Verhältnisse lebten und sich zeitweilig gar verschuldeten, war ihre Lebensfreude zu keinem Zeitpunkt getrübt. Man unterhielt sich über zahlreiche amüsante Vorkommnisse bei den beiden Freunden, welche in der Tat zu allerlei Scherzen und Schabernack aufgelegt waren. Hierbei soll Strauss wohl der einfallsreichere gewesen sein, Lanner aber der Kühnere, welcher die Scherze in die Tat umsetzte, ohne mit der Schulter zu zucken. Von den beiden war aber Lanner die fröhlichere Natur als Strauss. Letzterer liess sich öfter aus der Fassung bringen und konnte nur schwerlich wieder von dadurch entstandenen schlechten Gedanken weggebracht werden. Lanner trug den Übernamen „Flachskopf“, und Strauss wurde „Mohrenschädel“ genannt.

Bald ist aus Lanners Quartett ein Orchester geworden, welches das erste seiner Art war: ein reines Streichorchester. Zumindest war es das ersten reine Streichorchester, das öffentlich auftrat, denn bisher kannte man bloss die so
genannte Harmoniemusik, Ensembles aus Holz- und Blechinstrumenten. Lanners Erfolg hielt an, ja wurde gar bei jedem Auftritt noch grösser. Zunächst liess Lanner seine Kompositionen, unter denen sich anfangs hauptsächlich Ländler befanden, von Diabelli verlegen, welcher die Partituren allerdings nicht mit einer besonderen Aufmachung versah. Lanner wechselte zum Verleger Haslinger, welcher diesbezüglich viel grosszügiger war und jedes Werk, das Lanner lieferte, mit einem wunderschönen Titelblatt versah. Haslinger, ein kleines kurliges Männchen, welches stets einen riesigen Vatermörder trug, machte dies nicht ganz ohne den Hintergedanken, dem Diabelli eines auszuwischen, welcher einer seiner grössten Konkurrenten und Feinde war.


Die Trennung

Lanner mochte das riesige Bedürfnis der Wiener nach Unterhaltung bald nicht mehr alleine decken. So teilte er sein Orchester in zwei Gruppen, von denen eine von Strauss dirigiert wurde. Dieser war damit aber nicht richtig glücklich, denn immer stärker wurde sein Wunsch, ein eigenes Orchester zu führen, da er sich dazu schon lange imstande fühlte. Am 1. September 1825 offenbarte Strauss seinem Freund Lanner, dass er seine eigenen Wege gehen wolle. Lanner hatte es allerdings bereits geahnt und war daher nicht besonders überrascht. Noch am gleichen Abend erhielt Strauss seine Entlassung. Lanner soll ihn gebeten haben, ihm nach wie vor freundschaftlich gesonnen zu sein. Er wusste, dass Strauss ein Konkurrent werden würde, denn er hat bereits Kompositionen vorgelegt, welche Lanner in Staunen versetzten. Diese hat Strauss bislang nicht verlegen lassen, sondern an diverse Kapellmeister verkauft, welche sie dann unter ihrem Namen aufführten.

Am Abend der Entlassung spielte das Lanner-Orchester im „Bock“ auf der Wieden. Nach dem Konzert rief Lanner alle Musiker zusammen und unterrichtete sie über den Austritt von Strauss. Dabei soll Lanner sich vor lauter Aufregung etwas ungeschickt ausgedrückt haben, worauf es angeblich zu lautstarken Streitereien unter Lanner uns Strauss und auch unter den Musikern gekommen sein soll. Sogar das anwesende Publikum soll sich eingemischt haben, und das Ganze sei danach sogar in Handgreiflichkeiten ausgeartet. (Anm.: Dies ist jedoch nicht belegt, denn andere Quellen sagen, dass die Trennung Strauss’ von Lanner vollkommen freundschaftlich vollzogen worden sei. Die angebliche Feindschaft dürfte aus den Gerüchten hervorgegangen sein, welche zu hunderten von der Wiener Bevölkerung in die Welt gesetzt worden waren.) Lanners Opus 19, der "Trennungswalzer", soll auf das Scheiden mit Johann Strauss zurückgehen und zu Lanners eigenem Trost geschrieben worden sein (andere Quellen schildern als Anlass zu diesem Walzer hingegen den Abschied vom Fasching und von den Ballanlässen im "Schwarzen Bock", was wahrscheinlicher ist).


Neue Wiener Ländler, op.1



Strauss gründete sein eigenes 12 Mann starkes Orchester, welches vermutlich aus Mitgliedern des aufgelösten Pamer-Orchesters bestand (Pamer hatte sich ein bösartiges Geschwür am linken Zeigfinger zugezogen und konnte seine Tätigkeit daher nicht mehr ausüben). Lanner und Strauss wurden zwar zu Rivalen in ihrem Metier, und spalteten die
Wiener Musikwelt entzwei in die Straussianer und die Lannerianer, aber dennoch blieben sie sich weiterhin sehr freundschaftlich gesinnt und wohnten zeitweise in der gleichen Wohnung in der Josefstadt Nr. 67 (heutige Langegasse 24) zusammen mit Anna Zinagl, geboren 1807, einer Magd aus Heiligenstadt. Ihre Funktion in der Wohngemeinschaft ist nicht bekannt.

Im Frühjahr 1826 wechselte Lanner zum Verleger Mechetti am Michaelerplatz, welcher ihn viel besser bezahlte als Haslinger. Mechetti machte schon mit den ersten Werken, die ihm Lanner lieferte, ein gutes Geschäft. Lanner hatte eine sehr kreative Phase, denn die durchschlagenden Melodien fielen ihm fast wie im Träume ein. Er komponierte gewöhnlich zu nächtlicher Stunde, nachdem er seine Pfeife gestopft und geraucht hatte, eines der wichtigsten Rituale für ihn. Nicht selten war eine Komposition noch in derselben Nacht vollendet und fand sich am folgenden Morgen beim Kopisten wieder. Wie erwähnt war Lanner in Sachen Komponieren, Harmonielehre und Kontrapunkt autodidaktisch, aber darin war er sehr geschickt, und nur sehr selten machte er Fehler. Diese kamen fast nur in den Klavierpartituren vor, welche von einem Mitglied des Orchesters bereitgestellt wurden.
 

Am 17. Juni 1826 wurde Lanner Vater eines Jungen namens Martin Joseph, welcher aus der Verbindung zu Maria Wegel aus der Wieden hervorging. Es ist nicht bekannt, warum das Paar nie geheiratet hat. an der Taufe des Kindes in der Karlskirche am 19. Juni 1826 hat sich Joseph Lanner als Vater bekannt. Das Kind kam danach in Pflege, starb aber bereits am 21. März 1827. (Anm. des Autors: Die Liaison mit dieser Maria Wegel ist ein Detail in Lanners Leben, das heute angezweifelt wird.)
Am 28. November 1828 ehelichte Joseph Lanner in der Laimgrubenkirche St. Josef Franziska Jahns, Tochter des Handschuhfabrikanten August Jahns und Katharina, geb. Mutzbauer. Sie wurde am 15. August 1800 im Laimgrubenviertel geboren und war mit Joseph Lanner vermutlich schon länger bekannt, da ihre Väter denselben Beruf ausübten. Die "schöne Fanni" hatte üppiges goldblondes Haar, war von stattlicher Postur, hatte einen eleganten Gang, gefällige Umgangsformen und kam aus gutbürgerlichem Hause. Beim Hochzeitsmahl im „Bock“ soll Johann Strauss erschienen sein und Lanner herzlichst beglückwünscht haben, worauf sich die beiden ein den armen gelegen haben sollen.

 

Katti Lanner

Am 14. September 1829 wurde Tochter Katharina ("Katti") in Lanners neuem Zuhause in der Rothgasse geboren. Sie wurde später zur Tänzerin ausgebildet und debütierte im Jahre 1845 im Kärntnertortheater und war fortan sehr erfolgreich und berühmt. Selbst die legendäre Fanny Elssler prophezeite Katti eine glänzende Karriere. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1855 entschloss sich Katti, Wien trotz zahlreicher lukrativer Angebote zu verlassen. Sie reiste nach Berlin, Dresden und München, wo sie ebenfalls erfolgreich auftrat. Schliesslich ging sie nach Hamburg, wo sie am Stadttheater Ballettmeisterin und Choreographin wurde. Nach vier Jahren verliess sie Hamburg und ging auf Tournee durch Skandinavien und Russland, abermals mit grösstem Erfolg bedacht. Schliesslich erhielt sie ein Engagement in Bordeaux, wo sie sich sehr wohl fühlte.

Sie gründete ein eigenes Ballettensemble und reiste nach Lissabon. Da wurde der amerikanische Musikdirektor James List auf Katti aufmerksam und konnte sie überreden, an seiner Oper zu wirken. So machte sich die Lanner-Tochter sogar in Amerika einen Namen, reiste darauf aber wieder nach Lissabon zurück, wo sie aus London eine Berufung ans Drury-Lane-Theatre erhielt. Nach getaner Arbeit führte sie ihr Weg nach Baden-Baden, Belgien und nach Paris an die italienische Oper. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kopenhagen ging sie nach New York, bereiste Amerika und kehrte wieder nach New York zurück, wo sie einem weiteren Engagement folgte. Sie kehrte nach London ans Drury-Lane-Theatre zurück und leitete da sämtliche Ballettproduktionen. Nach der Eröffnung des Empire-Palastes am Leicester Square erhielt sie da die Stelle als Ballettmeisterin, wo sie bis an ihr Lebensende bleiben sollte. Sie komponierte 33 Ballette.

Katti Lanners Ehe – geschlossen 1868 - mit dem Tanzmeister Johann Baptist Alfred Karl Viktor Geraldini war keine glückliche. Dennoch gebar sie ihm drei Töchter: Katti, Albertine und Sophie. Letztere machte eine Karriere als Harfenspielerin, bereiste als solche Nord- und Südamerika und wirkte auch längere zeit in Paris, bevor sie in Wien im Orchester von Carl Michael Ziehrer spielte und darauf in Groningen den Konzertmeister Jacques Becker heiratete.

Geraldini war ein liebenswürdiger Mann, welcher sehr gut situiert war, durch unglückliche Umstände jedoch fast sein ganzes Vermögen verlor und nach der schmerzlichen Scheidung von seiner Frau Katti als seelisch gebrochener Mann am 8. Dezember 1904 in Wien starb.

Katharina Lanner starb am 15. November 1908 in London. Joseph Lanners zweite Tochter Franziska Karoline kam am 14. Januar 1836 zur Welt. Ihre Mutter machte ihr das Leben allerdings nicht leicht im elterlichen Hause. Des öfteren lief Fanni der Mutter davon und irrte weinend in den Strassen Wiens umher, bis sie einmal von einem Wiener Bürger namens Stenter aufgegriffen wurde. Dieser nahm sie auf und gewährte ihr eine Ausbildung in Klavier und Gesang. Das Mädchen war aussergewöhnlich talentiert, aber noch ehe sie sich richtig entfalten konnte, starb sie am 8. März 1853 im jungen Alter von 17 Jahren. Sie wurde auf dem Schmelzer Friedhof im Grab der Familie Stenter beigesetzt.


Familiäre Schwierigkeiten

Joseph Lanners Ehe mit Franziska Jahns war offenbar keine glückliche. Das wird alleine dadurch deutlich, dass Joseph Lanner zu der Zeit, als er mit Johann Strauss und Anna Zinagl zusammen wohnte, bereits mit Franziska Jahns verheiratet war.
Im Jahre von Kattis Geburt wurde Lanner zum Musikdirektor der k.u.k. Redoutensäle ernannt und übernahm zwei Jahre später zudem die Leitung der zweiten Wiener Regimentskapelle, was ihm noch mehr Berühmtheit verschaffte. Sein Engagement nahm ihn sehr in Anspruch, so war er ständig am Arbeiten, konzertierte in zahlreichen Lokalen, komponierte und sass mit Etablissementsdirektoren zu Besprechungen zusammen. Zeit für seine Familie hatte er demnach kaum, obschon er ein guter Vater war und sehr um das Wohl seiner Frau und seiner Tochter besorgt war. Seine familiären Verhältnisse litten dennoch unter einem Zerwürfnis mit seinem Vater, denn dieser lebte nach Joseph Lanners Heirat gemeinsam mit  dessen Frau und Schwiegereltern im selben Haushalt. Im Sommer 1832 suchte er als Folge für seinen Vater eine neue Unterkunft und brachte ihn am 27. Juli in Versorgungshaus "Zum blauen Herrgott" im Alserbach an der Lazarettgasse 4. Später kam der Vater in das als Siechenhaus bekannte Bäckenhäusel an der heutigen Währinger Strasse 42, wo er am 29. März 1839 starb. Obschon Joseph Lanner zu dem Zeitpunkt ausserordentlich viel Geld verdient haben muss, brachte er seinen Vater in Versorgungshäuser für Arme. Man kennt die Gründe nicht, warum er keine standesgemässe Unterkunft für seinen Vater gewählt hat.

 


Erfolgreiche Bühnenwerke

Im Jahre 1833 wurde Joseph Lanner mit der Theaterwelt konfrontiert, denn er lernte den Ballettmeister Raab vom Josefstädter Theater kennen, welcher von Lanners Musik sehr begeistert war. Raab sah in Lanner einen idealen Schöpfer für Ballettmusik und gab alles dran, Lanner für sich zu gewinnen. Er schaffte es, ihm die Theaterwelt so schmackhaft zu machen, dass dieser einwilligte, mit Raab zusammen zu arbeiten. Raab legte ein Pantomimenstück vor mit dem Namen „Policinellos Entstehung“, welches heitere und düstere Episoden aus dem Leben des Bajazzo enthielt. Im August desselben Jahres war die umfangreiche Partitur vollendet, und die Premiere fand am 24. Oktober statt.

Der Ansturm war grandios, die Kassen innert Kürze komplett ausverkauft, und viele Besucher mussten umkehren, weil das Theater schon übervoll war. Die Besucher waren hingerissen von Raabs Pantomimenkunst und vor allem von Joseph Lanners Musik. Einen ähnlich grossen Erfolg erfuhr das Ballett „Huldigung der Frauen“, zu welchem Lanner die Musik schrieb und das am 10. Februar 1834 im Saal „Zum Römischen Kaiser“ uraufgeführt wurde. Am 31. August selben Jahres fand im Park des Grafen Ferdinand Palffy auf Lanners Initiative hin ein grosses Gartenfest statt, zu dem er aufspielte. Er nannte die Veranstaltung „Ein Sommernachtstraum“, an welcher um die 6'000 Gäste anwesend gewesen sei dürften. Es war ein rauschendes Fest mit viel Dekoration und Unterhaltungseffekten. Eigens zu diesem Anlass hat Lanner seinen Walzer „Abenteurer“ Op.91 geschrieben.


Auf Reisen

Anfang November 1834 ging Joseph Lanner mit seinem Orchester erstmals auf Konzertreise nach Pesth (Strauss hatte hier schon ein Jahr zuvor erfolgreich konzertiert). Er hatte bislang nie ausserhalb Wiens, ausser in Baden, gearbeitet. Die Auftritte in Budapest waren ein grosser Erfolg und Lanner darob und ob der Gunst seines ungarischen Publikums sehr ergriffen, wie der Komponist am 12. November 1834 in einem Nachruf persönlich festhielt (siehe nachfolgende Grafik). Lanner hat mehrere seiner Kompositionen (zb. „Pesther Walzer“ Op.93) der ungarischen Nation gewidmet. Am 15. November kehrte Lanner nach Wien zurück.

lanner_nachruf.jpg
Zur Verfügung gestellt aus Privatbesitz von
Walter Knickrehm, Hamburg


Am 22. Januar 1835, ein Tag vor der Geburt seines Sohnes August, reiste Lanner ein zweites Mal nach Pesth und spielte wiederum erfolgreich an den Bällen auf, von denen einer ganz alleine ihm gewidmet war, der "Lanner-Ball". Allerdings musste Lanner diese Konzertreise abbrechen, als am 2. März Kaiser Franz II. starb und sein Nachfolger Ferdinand sofort sämtliche Vergnügungsveranstaltungen einstellen liess. Lanner war gerade im „Schaf“ am Aufspielen, als eine Polizeipatrouille hereintrat und ihn hiess, das Spiel abzubrechen. Sechs Wochen durfte in Wien keine Musik mehr gespielt werden.

Nachdem Lanner im Oktober 1835 eine Reise nach Pressburg unternommen hatte, wo er zweimal am Theater aufspielte, erhielt er erneut eine Einladung nach Pesth und reiste am 3. November hin. Diesmal blieb er aber nur wenige Tage in der Stadt, da seine Veranstaltungen nicht mehr den gewohnten Anklang fanden wie bisher.

Anfang 1836 erhielten Lanner und Strauss von der Stadt Wien die Bürgerrechtsverleihung und legten am 25. Februar den Bürgereid ab. Lanner erhielt eine weitere Gelegenheit, ein Bühnenwerk mit Musik zu versehen, wiederum am Theater in der Josefstadt. „Der Preis einer Lebensstunde“ war ein sog. romantisches Märchen nach einer Erzählung von Castelli. Es war eine gelungene Produktion, die viele Male mit anhaltendem Erfolg aufgeführt wurde.

Zu diesem Zeitpunkt wohnte Lanner noch mit seiner Familie im Haus an der heutigen Gumpendorferstrasse 47. Aber gegen Ende desselben Jahres spitzte sich die angespannte Lage seiner Ehe dermassen zu, dass er seine Familie verliess und nach Döbling umzog in ein möbliertes Kabinett an der heutigen Billrothstrasse 62. Die Schuld am Scheitern der Ehe trug laut Tochter Katharina die Mutter, denn in einem Brief schreibt sie, dass die Mutter aufgrund der regen Tätigkeit und Abwesenheit ihres Mannes und auch wegen Gerüchten über heimliche Liebschaften sehr eifersüchtig und misstrauisch geworden sei und anfing, heimlich die Konzerte ihres Gemahls besucht habe. Daraufhin habe sie, schreibt Katharina weiter, durch ihre Eifersucht den Hausfrieden zerstört.

Lanner verliess wenig später das Kabinett an der Billrothstrasse und zog in ein hübsches Haus, das er für sich erbauen liess, mit der Anschrift Oberdöbling Nr.214 (heutige Gymnasiumstrasse 87). Hier wohnte er gutbürgerlich. Er hatte  eine Wirtschafterin, eine Köchin, einen Diener und einen persönlichen Fiaker. Oft sass er im gepflegten Gärtchen und widmete sich seinen Kompositionen. In diesem Haus lebte er mit seiner Freundin Marie Kraus 1838, Tochter eines Fleischhauers aus der Leopoldstadt stammend, welche er 1838 heiratete. Sie verehrte ihn und liebte ihn abgöttisch und wich nie von seiner Seite. So soll sie oft in einem Mietwagen vor dem Etablissement, in dem ihr Mann musizierte, auf ihn gewartet haben.

 

Während der Karnevalszeit im Jahre 1837 pflegte man im Sperl sog. „Champagnerbälle“ zu veranstalten, an denen Champagnerflaschen gewonnen werden konnten. Zu diesen Anlässen komponierte Lanner die „Champagner-Knall-Galoppaden“ Op.114. Anfang November selben Jahren reiste Lanner mit seinem Orchester nach Graz, wo er abermals mit grossem Erfolg  an diversen Ballveranstaltungen auftrat. Der Empfang Lanners war genauso wie der Abschied sehr pompös und mit grosser zeremonieller Aufmachung. Er war in Graz dermassen beliebt, dass er regelrechte Lobeshymnen erhielt und zu Gastspielen mitunter nach Klagenfurt und Triest eingeladen wurde, was er jedoch ablehnte. Und als Kaiser Ferdinand I. zum König der Lombardei gekrönt wurde, lud man Lanner ein, an den dafür organisierten Festivitäten in Innsbruck, Mailand und Venedig aufzutreten.

Es dürfte der 2. August 1838 gewesen sein, als Lanner mit 23 Musikern sich auf die Reise machte. In Linz machte er einen Zwischenhalt, um in den dortigen Redoutensälen aufzuspielen. Via Salzburg ging die Reise weiter nach Innsbruck, wo Lanner seinen Verpflichtungen nachkam. Von einer lustigen Begebenheit wird berichtet, welche sich kurz vor Innsbruck ereignete: Lanner wollte mit seinen Musikern – alle in einheitlicher Uniform aus rotem Frack, weisser Hose, Dreispitz und Degen gekleidet – kurz vor der Tiroler Hauptstadt die Reisewagen verlassen und zu Fuss nach Innsbruck marschieren. Als sie in einen kleinen Vorort kamen, ergriffen die Bewohner panisch und schreiend die Flucht in der falschen Ansicht, eine Räuberbande sei gekommen.


Am 16. August verliess Lanner Innsbruck und reiste über Trient, Verona, Brescia und Bergamo nach Mailand und setzte da sein Programm fort und spielte mitunter an einem grossen Ball in der Scala auf. Seine Musik fand bei den Italienern einen ausserordentlichen Anklang, und sie beschenkten und verehrten ihn. Seine Reise führte ihn weiter nach Venedig, wo er ebenfalls an zahlreichen Veranstaltungen spielte. Die Heimreise führte danach via Laibach (Ljubljana), wo er am 25. Oktober im städtischen Theater ein Konzert gab. Bei einem letzten Zwischenstopp in Graz trat Lanner im Schauspielhaus und in den Redoutensälen auf, bevor er wieder nach Wien zurückkehrte. Da bekam er die Leitung bei einigen Bällen am Hof übertragen, denn auch da war man von Lanner überzeugt. Jedoch war er diesbezüglich gegenüber Johann Strauss benachteiligt, denn auch dieser hatte die Leitung von Bällen am Hof inne, und die Entlöhnung war alles andere als gerecht. Strauss verdiente dabei mehr als das doppelte, was die Abrechnungen des k.u.k. Hofzahlamtes zeigten.

Es soll Lanner manchmal schwer gefallen sein, sich an die höfische Etikette zu halten, wenn er in der Hofburg tätig war. So berichteten Zeitgenossen, dass er einmal stark angetrunken den Rittersaal in der Hofburg betrat. Baron Kutschera bat Lanner darauf, sich in die Garderobe zu begeben. Dieser aber erwiderte energisch: „Was glauben’s denn, Exzellenz? I bin so wenig b’soffen wie sie, und selbst wenn I an Mordsrausch hätt’, kann mi niemand vom Platz verdrängen, den mir mein Kaiser ang’wiesen hat.“ Lanner dirigierte so schwungvoll wie noch nie, aber dennoch machten ihm in seinem Zustand die schlechte Luft im Saal und die Hitze zusehends zu schaffen. Das entging dem Publikum nicht, und selbst der Kaiser wurde darauf aufmerksam und meinte zu Baron Kutschera, man soll unbedingt dafür sorgen, dass der gute Lanner am Ende der Veranstaltung sicher herausgeleitet werde, denn sonst stürze er noch vom Podest und haue sich den Kopf ein.

Eine andere heitere Begebenheit ereignete sich ebenfalls an einem Anlass in der Hofburg. Nach einem Konzert wischte sich Lanner mit einem Tuch den Schweiss von der Stirn, worauf Erzherzogin Sophie zu ihm hintrat und meinte, dass er sich jetzt aber ganz schön angestrengt habe. Da schlug Lanner seinen Frack zurück und sagte: „Ja, da schaun’s her, wie I schwitz’ !“ Die vornehme Gesellschaft nahm Lanner diesen Fauxpas sehr übel, und er wurde vorübergehend von seinem Amt suspendiert.

Jedoch bereits im Sommer 1840 kam es zu Auseinandersetzungen mit seiner Frau Marie und den Schwiegereltern. einem Schreiben Lanners an seinen Verleger Mechetti ist zu entnehmen, dass er von seiner Frau und deren Eltern nicht gut behandelt worden und Opfer von interfamiliären Intrigen gewesen sei. Weiter geht daraus hervor, dass man ihn ausspioniert und quasi bevormundet haben muss. Diese Ehe wurde später gerichtlich geschieden, was die Kirche aber nicht anerkannte. Zudem war da noch Lanners vorige Frau Franziska, welche das Scheitern der Ehe nicht überwinden konnte und immer wieder mit Lanner in Streitigkeiten geriet. Vermutlich wurde Joseph Lanner zusehends ein unglücklicher Mensch, der innerlich vereinsamte. Er war ein Sanguiniker und angeblich auch ein motorischer Alkoholiker. Sein ansehen und sein Erfolg litten darunter jedoch keineswegs: Überall wurde seine Musik gespielt, überall ehrte man ihn, überall kannte man Joseph Lanner. Der Innsbrucker Musikverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Eine Einladung ans Drury-Lane-Theater nach London musste er jedoch ablehnen, weil er in Wien vertraglich gebunden war.

Als Donizetti als neuer Wiener Hofkomponist am 2. Juni 1842 im Dommayer bei einem Dinner war und Lanner spielen sah und hörte, soll er darauf mehrmals als einfacher Gast wiedergekommen sein, weil ihm Lanners Musik so gut gefallen hat. Nicht alle gönnte Lanner seinen Erfolg, denn viele ordinäre Musiker oder solche, die sich „Kapellmeister“ schimpften, waren dem Walzerfürsten missgünstig gesinnt und verbreiteten nicht selten aus lauter Boshaftigkeit Gerüchte und Unangenehmes aus Lanners Privatleben. Auch suchten sie stets, Lanners Kompositionen zu kritisieren, freilich zu seinen Ungunsten.

Es soll in den „Drei Engelsälen“ sogar einmal zu einem grossen Streit zwischen Musikern und Orchestermitgliedern gekommen sein, bei dem sogar Lanner selbst fast tätlich angegriffen wurde. Ein andermal sei er von einem Musiker, welcher im selben Gasthaus wie Lanner sass, aufs ärgste beleidigt worden, indem dieser ihn einen Stümper nannte, welcher vom Komponieren keine Ahnung habe und seine Partituren ja stets zum Korrigieren geben müsse. Lanner war darob derart geknickt, dass er erkrankte und erst nach geraumer Zeit seinen gewohnten Humor wieder fand und konzertieren konnte. Durch den enormen Beifall und die Begeisterung des Publikums konnte Lanner solche Widerwärtigkeiten jedoch bald wieder vergessen.
Am 25. November 1839, am Tag nach dem „Katharinen-Festball“ im Saal „Zur goldenen Birn“ reiste Lanner nach Aufforderung des Grafen Ugarte mit der neu eröffneten Eisenbahn nach Brünn, wo er im Redoutensaal konzertierte. In Brünn war man nicht weniger von Lanner begeistert als anderswo.


Die letzen Monate

Im Januar 1843 reiste Lanner ein letztes Mal weg. Er trat mit seinem Orchester am Theater von Brünn auf. Zurück in Wien konzertierte er noch einige Male und wirkte an Bällen mit. In den Konzertsälen herrschte stets ein sehr ungesundes Klima mit Zugluft. Nicht zuletzt dürfte dies ein Grund gewesen sein dafür, dass Lanner allmählich anfing, kränklich zu werden, da er als Dirigent diesen schlechten Konditionen an erhöhtem Ort besonders stark ausgesetzt war. Mehrere Personen, welche Lanner gekannt hatten, erzählten zudem die Geschichte, in welcher Lanner nach einem ausgelassenen Hochzeitsfest eines Bekannten bei sich zu Hause mit Freunden noch weitergefeiert haben soll. Dabei habe er aus lauter Übermut und wohl auch unter Trunkenheit nach Abschluss von Wetten sich seiner Kleider entledigt und sei bei eisig kalten Temperaturen in den Hof und in den Garten des Hauses gegangen und wieder zurückgekehrt. Dies alles dürfte seinem Immunsystem so arg zugesetzt haben, dass er sich – wohl auch an einer Ballveranstaltung – mit der Typhus-Salmonelle infizierte.

Am 22. März trat er vermutlich zum letzen Mal öffentlich auf an einer Abend-Unterhaltung im Dommayer. Seine Krankheit war zu diesem Zeitpunkt bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. die Veranstaltung musste abgebrochen werden, und Lanner wurde zu Bette gebracht. Jetzt machte die heimtückische Krankheit schnelle Fortschritte. Seinen Geburtstag verbrachte Lanner wohl bereits im Todeskampf. Es gingen Gerüchte in der Stadt um, dass Lanner gestorben sei. Als Folge davon erschien am 30. März in den Sonntagsblättern eine falsche Todesnachricht, welche sich allerdings wenige Tage später bewahrheiten sollte. Joseph Lanner verstarb am Karfreitag, dem 14. April 1843 um 12.30 Uhr in seinem Haus in Oberdöbling nach einer akuten Lungenlähmung. In einem Zimmer wurde sein Leichnam aufgebahrt inmitten vieler Kerzen, die Fenster schwarz verhüllt.

Sein Tod rief aufrichtige Trauer hervor beim Wiener Volk. Am Tag von Lanners Begräbnis, am Ostersonntag, dem 16. April, sollen rund 20'000 Menschen teilgenommen haben. Nachdem sich um 17.00 Uhr die Trauergemeinschaft vor seinem Haus eingefunden hatte, bewegte sich der Trauerzug durch die Neugasse und die Herrengasse zur Pfarrkirche. Dem von der Bürgermiliz getragenen und mit Lanners Uniform, Hut und Degen geschmückten Sarg voraus schritt Lanners Orchester ohne Instrumente. Die Musik zum Begräbnis spielte die Kapelle des Ersten Bürgerregiments unter persönlicher Leitung von Johann Strauss. In den Strassen fanden sich riesige Menschenmengen ein, was das Vorwärtskommen des Leichenzuges erheblich erschwerte. Um 19.00 Uhr erreichte der Trauerzug endlich den ehemaligen Döblinger Ostfriedhof, wo zahlreiche junge Mädchen Frühlingsblumen in Lanners Grab warfen, ehe der Leichnam darin beigesetzt wurde.

Die alte Wiener Zeitung „Der Wanderer“ veröffentlichte einen ausführlichen Nekrolog, in welchem Lanner geehrt und gleichzeitig an auswärtige Zeitungen appelliert wurde, sie mögen von allfälligen schlechten Nachrufen absehen. Das Schlusswort des Nekrologes lautet wörtlich: „Wie viele heitere Stunden hätte uns noch Lanner verschaffen können! Möge ihm die Erde so leicht, als den lebensfrohen Wienern sein Verlust schwer werden.“ Heute liegen seine sterblichen Überreste in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof, wohin sie am 13. Juni 1904 umgebettet wurden.

In Lanners Todesanzeige erschien der folgende Satz: "Franziska Lanner, geb. Johns (nicht etwa Jahns, Anm.), gibt hiermit in ihrem und im Namen ihrer drei unmündigen Kinder als, Katharina, August und Franziska, sämtliche geborene Lanner, Nachricht von dem sie höchstbetrübenden Hinscheiden ihres innigstgeliebten Gatten und resp. Vaters, Herrn Joseph Lanner..." Dies rief Aufsehen und Bestürzung hervor, denn mit dem Zusatz "geborene Lanner" wollte sie ihrem ehemaligen Gatten womöglich eine posthume Lektion erteilen, welche Lanners spätere Partnerin Marie Kraus treffen sollte. Die Aussage gibt Anlass zur Vermutung, dass es noch weitere Kinder gab, deren Vater Joseph Lanner war und die aus anderen Beziehungen und Liebschaften stammen. Ein Testament hat Lanner nie verfasst.

Seine Witwe (die Ehe hat offiziell ja noch bestanden) und die Kinder erbten ein ordentliches Vermögen. Es folgte nach Lanners Tod ein Rechtsstreit zwischen den Verlegern und ein jahrelanger Streit um sein materielles Erbe. Selbst nach seinem Ableben kursierten noch üble Gerüchte, welche von angefeindeten Personen ausgingen. So wurde erzählt, dass Lanner an einer Alkoholvergiftung gestorben sei. Diese boshafte Behauptung wurde dermassen festgestampft, dass sogar in einem deutschen Literaturwerk, welches sich mit Lanner beschäftigte, geschrieben stand, Lanner sei an Säuferwahnsinn gestorben. Abgesehen von diesen trübenden Tatsachen lag nach Lanners Tod noch lange eine düstere Stimmung über der Walzerstadt. Auch Strauss lebte nach dem Verlust seines langjährigen Freundes noch geraume Zeit in Trauer. Zahlreiche Lieder und Sonette entstanden zu Ehren Lanners, was die Ausmasse seiner Beliebtheit erst recht zutage brachte. Lanners Nachkommen leben heute in Dänemark.

 

Person und Werk

Es belegen Zeitgenossen und auch Violinstimmen, die Lanner für sich selber geschrieben hat, dass er seinem Nebenbuhler Strauss, der in seinem Orchester nicht mal die erste Violine spielte, musikalisch überlegen war. Die Strauss’schen Kompositionen lockten zwar eher zum Tanze als die Lanner’schen, letztere aber vermochten mehr in die Herzen der Zuhörer zu dringen. Die leichten, beschwingten und verspielten Melodien mit sanften Zwischentönen, oft Hand in Hand einhergehend mit berührender Melancholie und dann wieder humorvollen Passagen prägten Lanners Art zu komponieren. In der Zeit nach Lanner war Josef Strauss derjenige, dessen Schaffen der Musik Lanners am nächsten stand. Der Biedermeier-Komponist Lanner stand zeitlich gewissermassen zwischen der Mozartklassik und der Wiener Klassik. Viele seiner Werke beinhalten Elemente, wie Mozart sie verwendete. Passenderweise kommen diese insbesondere in seinem Walzer „Die Mozartisten“ zum Ausdruck. Er verehrte Mozart sehr.

Joseph Lanner gilt als der Vater und Begründer des Wiener Walzers, welcher aus dem Ländler hervorging, wovon es im Werkverzeichnis Lanners zahlreiche gibt. Bei ihm tauchte erstmals die typische Form des Walzers auf: Eine Einleitung, fünf Walzersequenzen und eine Coda. Dies ist das wichtigste Faktum, warum Joseph Lanner eine ganz besonders nennenswerte Persönlichkeit war. Unverständlich die Tatsache, dass er vergessen geriet. Es fällt auf, dass Lanners frühe Walzerkompositionen im Vergleich zu seinen späteren ganz deutliche Elemente aus den Ländlern, resp. Deutschen haben. Im Prinzip waren es fast noch reine Ländler mit dem Unterschied, dass sie einen grösseren Figurenreichtum haben und kühnere Tonartenwechsel aufweisen. Stellt man die frühen Walzer den späten gegenüber, so wird erst richtig deutlich, was Joseph Lanner aus dem Walzer gemacht hat! Als Beispiel sei hier der Terpsichoren-Walzer Op.12 genannt, welcher als erste Komposition eine Introduktion hatte.

Die Gebrüder Schrammel waren die ersten, welche nach Lanners Tod dessen Musik ansatzweise wieder aufleben liessen. Es gab einige Zeitgenossen, die Lanner Konkurrenz zu machen drohten. Darunter etwa Joseph Wilde, die Gebrüder Drahanek, Franz Morelli und Philipp Fahrbach Sen. Aber keiner jagte ihm den Titel als Begründer des Wiener Walzers ab. Hingegen alleine hätte Lanner mit Johann Strauss zusammen niemals das Bedürfnis der Bevölkerung nach Tanzmusik befriedigen können, zumal in den Jahrzehnten nach dem Wiener Kongress in den Jahren 1814/15 zahllose Tanzlokale und prachtvolle Ballhäuser in Wien errichtet wurden.

Die Namensgebungen von Lanners Kompositionen sind sehr phantasievoll und bezogen sich meist auf aktuelle Vorkommnisse und Begebenheiten in der damaligen Zeit, sei es eine Kaiserkrönung, die Aktivität einer Dampfmaschine, eine Himmelserscheinung oder das Treiben an einem bestimmten Platz. Dies wird ersichtlich in Werken wie „Die Schönbrunner“, Krönungswalzer“, „Die Kosenden“, „Abendsterne“, „Hofballtänze“, „Dampfwalzer“, „Die Schmetterlinge“ und vielen mehr. Die religiös bedingte Angelegenheit mit den zeitlich begrenzten Tanzverboten im damaligen Wien tat ihren Teil dazu, dass sich konzertantische Walzerkompositionen etablieren konnten, so wie sie Lanner vielfach geschrieben hat. So führte man diese Werke mit ihrem nicht selten anspruchsvollen musikalischen Inhalt im Rahmen eines Konzerts vor. So lernte das Publikum, die Musik auch mit den Ohren zu schätzen und nicht nur mit den Beinen. Die Fortsetzung dieser Form fand sich später beispielsweise in den grossen Konzertwalzern der Strauss-Söhne wieder. Prägend für Lanners frühe Kompositionen waren mitunter die italienischen Meister des Belcantos wie Bellini, Rossini, Donizetti, aber auch Auber oder Adam. Adaptionen machte Lanner sogar vom Teufelsgeiger Paganini, was sein grossartiges Können auf dem Instrument unterstreichen soll.

Zur damaligen Zeit waren Potpourris (Zusammenstellung einer Folge beliebter Melodien) und Quodlibets (mehrere textierte Melodien, die unter Beachtung des Kontrapunktes aneinander gereiht sind) sehr beliebt. Diese setzte Lanner in Szene und führte sie in pantomimischer Form auf. Selber erfand er Texte dazu und brachte gar neuartige Instrumente ein, um einen passenden Geräuscheffekt hervorzurufen. am Rande der Partitur vermerkte er jeweils genau, wie das neue Instrument zu bedienen und einzusetzen sei. Seine Bühnenstücke waren wohl sehr beliebt, konnten aber keinen nachhaltigen Erfolg erzielen. Einen grösseren Teil seiner Kompositionen beschrieb Lanner selbst als „nicht zum Tanze geeignet“. Zeugenaussagen zufolge war das Publikum tatsächlich weniger mit dem Tanzen beschäftigt als mit dem aufmerksamen Zuhören. Lanner schrieb insgesamt über 250 Werke, davon hauptsächlich Walzer, Ländler und Galoppe. Lange nach seinem Tod entstand ferner die Operette 'Alt-Wien', zu welcher ausschliesslich Lanner-Musik verwendet wurde.

 

Wie bereits erwähnt, blieb der Nachwelt leider sehr wenig über den grossen Virtuosen erhalten. Es existieren – abgesehen von mehreren mündlich überlieferten Fakten und Schilderungen von Personen, die Joseph Lanner gekannt hatten - ein Brief an seinen Verleger Mechetti, der zwischen Lanner und seiner Frau, die ihn verlassen hatte, vermittelte und ein zweiter Brief an seinen Freund und Rivalen Johann Strauss. Ein grosser Schritt in der Lanner-Forschung gelang durch die Wiederentdeckung der verschollen geglaubten Lanner-Sammlung von Ludwig Wegmann, der diese nach dem Tod des Komponisten eingerichtet hat. Darunter befinden sich einige Portraits, Programmhefte, Zeitungsausschnitte, ein Knopfloch von Lanners Jackett und ein Nagel von seinem Sarg. Ganz besonders wertvoll sind die erhaltene Violine mit Bogen Lanners und zwei Pauken aus seinem Orchester.

Aus dem wieder gefundenen Erbe ging hervor, dass Lanner eine Lehre als Graveur absolviert hat an der Akademie der bildenden Künste. Sein Leben aber war der Musik gewidmet. Das Ausserordentliche an Lanners Karriere ist wie bereits erwähnt, dass er sich die Musik selbständig beigebracht hat. Täglich investierte er Stunden, die Komposition und das Musizieren zu erlernen und dirigierte unermüdlich Konzerte, teils mehrmals täglich. Philipp Fahrbach beschrieb einst Joseph Lanner: Er soll ein schlichter, ehrlicher, treuherziger, liebenswürdiger, bescheidener, genügsamer, zuvorkommender und sentimentaler Mensch biederer Natur mit weichem Gemüt gewesen sein. Die Armut anderer, getäuschte Hoffnungen und falsche Freunde bescherten ihm stets Tränen. Lanner sei von mittlerer Statur mit breiten Schultern, sonst jedoch eher geschmeidig gewesen sein. Er sei stets sorgfältig rasiert gewesen und habe das Haar eher kurz als lang getragen. Mit nachlässigem Gang und Tabakpfeife im Mund habe man Lanner oft auf der Strasse gesehen. Er war leidenschaftlicher Tabakpfeifensammler und besass ein grosses Sortiment an prachtvollen Exemplaren. Lanners Bewegungen seien anmutig und wiegend gewesen, seine Gebärden freundlich und wohlwollend. Wenn Lanner nachdachte, habe er immer mit seinem Zeigefinger an die Nasenspitze getippt. Er soll viel Humor besessen und gerne Witziges erzählt haben, worüber er darauf selber herzhaft lachen musste, auch wenn die Scherze manchmal etwas derb waren. Auch seinen Musikern gegenüber soll er herzensguter Mensch gewesen sein, der gelegentlich allerdings „saugrob“ werden konnte, wenn es im Orchester an Disziplin mangelte oder Missgriffe passierten.

Lanner soll auf der anderen Seite auch ein rastloser Mensch gewesen sein, vielleicht jähzornig und alkoholsüchtig. Er soll regelmässig Unmengen von Wein gekippt haben in seinem Stammbeisel „Zur Glocke“ in der Dreihufeisengasse. Dabei habe er nie gemerkt, dass er langsam einen Schwips kriegt, denn er habe sehr viel Alkohol vertragen können. Angeblich hätte Lanner nie so grossartige Werke schreiben können, wenn er dabei nicht stets Alkohol im blut gehabt hätte…

Das Phänomen Joseph Lanner gilt es, noch weiterhin zu entdecken und zu erforschen, und eine Aufführung und Vertonung seines ganzen Schaffens wäre eine sehr lohnenswerte Investition. Bis es soweit ist, müssen wir uns leider mit den wenigen aufgeführten Kompositionen von ihm begnügen.

 

Blonder Lanner, Liebling der Frauen,

Der du den ersten Walzer erdacht,

Führtest im Jubel schluchzender Geigen

Unsere Eltern zum fröhlichen Reigen,

Hast ihre Herzen lachen gemacht.

Gleissende, lichtdurchflutete Säle…

„Werber“, die ihre zum Tanze ruft –

Walzeranmut in wiegender Ruhe,

Unter Frack und Kreuzbandschuhe

Blassblühblauer Lavendelduft…

Ist auch der Rosen Zauber versunken,

Alt-Wiens seligste Zeit längst dahin:

So von der Liebe wonnigen Nöten

Noch in „Schönbrunn“ die Nachtigall’n flöten,

Bist du bei uns im klingenden Wien.

(August Ernst Rouland)

 

Zur Lanner - Bildergalerie

Seine Werke

 

Musikbeispiele
 
Hofballtänze (Walzer) - Midi
Die Schönbrunner (Walzer) - Mp3
 

 
 

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