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Joseph II. (1641-1790)

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Als erster Sohn
Maria Theresias und
Franz I. Stephans wurde
Joseph am 13. März 1741 in Wien geboren. Als Erstgeborener männlicher
Nachkomme war er sogleich der Thronfolger, was in Wien Jubel und
Begeisterung auslöste. Die Erziehung des hochintelligenten Sprösslings
erfolgte im Geiste der katholischen Aufklärung und des modernen Naturrechts.
Schon in seiner Kindheit machte sich sein Hang zum einfachen Lebensstil
bemerkbar, und bald wurde er bekannt für seinen scharfen Zynismus, mit denen
er seinem Umfeld des öfteren gegenübertrat. Er heiratete 1760 Prinzessin
Isabella von Parma, die er über alles liebte. Sie gebar ihm eine Tochter,
Maria Theresia. Nachdem sie ein zweites Kind zur Welt gebracht hatte,
starben die Mutter und das Neugeborene an den Pocken. Joseph wollte nicht
mehr heiraten, doch auf das Drängen seiner Mutter hin vermählte er sich 1765
mit Prinzessin Maria Josepha von Bayern, mit welcher er eine unglückliche
und kinderlose Ehe
führte. Obschon sie eine herzensgute Frau war, lehnte Joseph sie ab. Sie war
ihm zu unscheinbar und nicht genug gebildet. Die todunglückliche Maria
Josepha starb 1767 ebenfalls an den Pocken, und Als 1770 Josephs Tochter
ebenfalls verstarb, vereinsamte er zusehends.
Im Jahre 1764 wurde Joseph zum deutschen König gewählt und im Folgejahr,
nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, in Frankfurt zum Kaiser gekrönt, was
ihn aber vorerst nicht zum Alleinherrscher, sondern zum Mitregent seiner
Mutter machte. Allerdings war seine liberale Gesinnung in manchen Punkten
anders als diejenige seiner Mutter, weshalb er mit ihr nicht selten im Zwist
stand. Joseph II. erreichte politisch viel, brachte Galizien, die Bukowina
und das Innviertel in habsburgischen Besitz und erkundete die Monarchie
durch ausgedehnte Reisen.
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Nach dem
Tod Maria Theresias im Jahre 1780 wurde Joseph II. Alleinherrscher und
konnte nun seine Reformen ungehindert durchführen (Josephinismus). Er
schaffte die teils noch existierende Leibeigenschaft und die Folter ab,
dehnte die Steuerpflicht auf Adel und Klerus aus, sprach den Soldaten und
Bauern mehr Rechte zu und schränkte diejenigen der Grundherren gleichzeitig
ein, gründete mehrere Bistümer und zahlreiche Pfarren, machte die
kaiserlichen Gärten in
Schönbrunn und die Jagdgebiete im
Augarten und
Prater dem Volke zugänglich,
schaffte das höfische Zeremoniell weitgehend ab und gründete das
Allgemeine Krankenhaus,
welches in Europa damals das grösste seiner Art war.
Joseph II. entsagte dem höfischen Prunk und mischte sich gerne mal inkognito
unters gemeine Volk, was ihm den Beinamen „Volkskaiser“ brachte. Seine
wichtigsten Neuerungen betrafen jedoch Religionsfragen. So erliess er das
berühmte Toleranzedikt zu Ungunsten der katholischen Kirche und schaffte
dadurch in Wien die Religionsfreiheit, worauf jede Konfession
uneingeschränkt ausgeübt werden durfte. Die Ausbildung der Priester wurde
verstaatlicht und länger dauernde Wallfahrten verboten. Er verbot die
Bestattung der Toten auf den innerstädtischen Friedhöfen und liess diese vor
die Tore der Stadt verlegen. Seine Begräbnisreform stiess bei der
Bevölkerung jedoch auf argen Widerstand, und so konnte er gewisse Neuerungen
wie den Einsatz des berüchtigten Sparsarges oder die starke Einschränkung
des Pompfünebrierens nicht durchsetzen. Vor allem Adel und Klerus hatten für
die rigorosen Reformen Josephs II. wenig Verständnis. Mit der Zeit machte
sich von mehreren Seiten wachsender Widerstand breit, worauf er gezwungen
war, viele seiner Reformen rückgängig zu machen. Vor allem in Ungarn und
Belgien erhob man sich gegen Josephs Neuerungen, da die in diesen Landen
besonders schnell und unvorbereitet eingeführt wurden. Am 20. Februar 1790
starb der als Reformkaiser in die Geschichte engegangene Joseph II. in Wien
und wurde in der
Kaisergruft in einem einfachen und schmucklosen Kupfersarg neben dem
monumentalen Sarkophag seiner Eltern bestattet. Auf seinen ausdrücklichen
Wunsch hin wurde seine Leiche in einer Uniform beigesetzt und nicht
einbalsamiert.
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Der junge Joseph II. (r.) mit seinem Bruder, dem
späteren Kaiser Leopold
II.
(Gemälde von Pompeo Batoni um 1769)
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Der Sarg Maria Josephas in der Kaisergruft,
Josephs bedauernswerte zweite Ehefrau |
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