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Johanna die Wahnsinnige (1479-1555)
Königin
 

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Mit der Biographie von Johanna von Spanien soll hier eines der erschütterndsten und ergreifendsten Beispiele menschlicher Schicksale in der Geschichte der europäischen Herrscherhäuser erläutert werden. Dieses Curriculum Vitae darf als Gedenkschrift verstanden werden für eine Frau, welche das Opfer von Zorn, Machtgier, Korruption, Skrupellosigkeit, Menschenverachtung, Hinterhältigkeit und ihrer eigenen krankhaften Liebe geworden ist. 

Am 6. November 1479 wurde Johanna als drittes Kind von König Ferdinand II. von Aragón und Neapel-Sizilien und Königin Isabella der Katholischen von Kastilien geboren. Zusammen mit ihren Geschwistern erhielt sie keine Erziehung mit Liebe, sondern eine, welche von Herrschsucht, Strenge, Askese und Habgier der Eltern geprägt war. Johanna spielte Musikinstrumente und war mehrerer Sprachen mächtig. Im Jahre 1495 trafen sich Johannas Eltern mit Maximilian I., um mit ihm über eine Heirat ihrer Kinder zu verhandeln. Maximilian I. offerierte ihnen eine Vermählung Johannas mit seinem Sohn Philipp. Zudem sollte Johannas Bruder Johann Maximilians Tochter Margarete ehelichen. Diese Heiratspläne waren taktischer Natur, denn dadurch entstand quasi ein Bündnis zwischen Habsburg und Spanien, was den Erzfeind Frankreich isolierte. So konnte Spanien zusammen mit Habsburg gegen Frankreich in den Kampf ziehen.
Im Jahre 1496 wurde Johanna mit Philipp in Valladolid getraut. Es war dies vorerst nur eine symbolische, aber rechtskräftige Heirat, denn der Ehegatte war nicht anwesend. Die Klausel „Per Procurationem“ erlaubte es jedoch, dass die Heirat mit einem Stellvertreter des Bräutigams vollzogen werden durfte. Diese rolle übernahm einer namens Boudewijn, ein unehelicher Sohn von Philipps Urgrossvater mütterlicherseits. Da aber nur eine „ausgeführte“ Ehe unlösbar war, musste der Stellvertreter mit der Braut symbolisch den Beischlaf praktizieren. Dies geschah, indem der stellvertretende Bräutigam sein entblösstes rechtes Bein für einen Moment unter die Bettdecke der Braut hielt.
Im Herbst desselben Jahres reiste Johanna schliesslich in die Heimat ihres Mannes in den Niederlanden. Es dürfte ihr keinen Kummer bereitet haben, ihr Zuhause zu verlassen, denn obschon sie ihren Vater verehrte, hing sie nicht besonders am Ort ihrer Kindheit. Für ihre Mutter Isabella empfand sie Hass, und auch zu ihren Geschwistern hatte sie nie einen guten Draht. Die lieblosen Zustände in der Familie verursachten in Johanna schon früh das Gefühl, von niemandem gemocht geschweige denn jemals geliebt zu werden. Dabei wird sie als Schönheit beschrieben, welche ihrer Mutter, welche dick und hässlich gewesen sein soll, keineswegs glich. Johanna war sehr sensibel, launisch, öfter in sich zurückgezogen, scheu, leidenschaftlich, sinnlich und intelligent.

 

Johanna traf also im Oktober 1496 in Antwerpen ein, wo sie von Philipp empfangen wurde, welcher eben aus Tirol zurückgekehrt war, wo er mit seinem Vater auf der Jagd war. In ihr entbrannte sogleich grösste Leidenschaft und aufrichtige Liebe zu ihrem schönen Gatten, was dieser nicht weniger intensiv erwiderte. am 20. Oktober fand in Lille die kirchliche Trauung des Paares statt. Philipp entpuppte sich als der Mensch, von dem Johanna ihr ganzes bisheriges Leben lang geträumt hatte. Zum ersten Mal in ihrem Leben erfuhr sie, was es bedeutet zu lieben und geliebt zu werden. Die beiden frisch vermählten Eheleute liessen sich vorerst in Brüssel nieder. Am 15. November 1498 gebar Johanna ihr erstes Kind, Eleonore. Das zweite Kind, Karl, kam am 24. Februar 1500 zur Welt.
Johanna war krankhaft eifersüchtig, was sich nicht selten in lautstarken Streitereien niederschlug, welche sogar bis zu Hangreiflichkeiten ausarteten. Und immer wieder vollzogen sich tränenreiche Versöhnungsszenen. Solche Vorkommnisse häuften sich und nahmen abnormale Ausmasse an. Johanna zog sich zudem immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Dabei haben familiäre Umstände Johanna in eine ganz besondere Situation gebracht: Innerhalb der Familie ereigneten sich mehrere Todesfälle, was dazu führte, dass die direkten männlichen Nachkommen (Johannas Bruder und Neffe) verschieden und Johanna nun zur rechtmässigen Thronfolgerin wurde. Sie war Erbin eines riesigen Imperiums, welches mittlerweile neben Kastilien-Léon, Aragón und Neapel-Sizilien auch Westindien umfasste, das wenige Jahre zuvor von Kolumbus entdeckt worden war. Nachdem Johanna am 15. Juni ihre Tochter Isabella zur Welt gebracht hatte, reiste sie auf Geheiss ihrer gefürchteten Mutter mit Philipp nach Spanien, um als Nachfolgerin persönlich den höchsten Treueid entgegenzunehmen. Im Umfeld ihrer kalten und herrschsüchtigen Mutter begann sich Johannas nervlicher Zustand sehr zu verschlechtern. Sie erlitt immer öfter Zusammenbrüche, Ohnmacht und hatte zunehmend Wahnvorstellungen. Philipp war der einzige, welcher sie wenigstens zeitweilig beruhigen konnte. Die Verbundenheit Johannas mit ihm war so gross und vollkommen, dass sie bei ihren Anfällen allmählich wieder ruhig und ansprechbar wurde, sobald Philipp ihr tief in die Augen schaute und sie liebkoste.

Es kam der 19. Dezember 1502, der Tag, an dem Philipp Kastilien verliess und wieder zurück in die Niederlande reiste. Da mittlerweile wieder Krieg mit Frankreich herrschte und die Reise durch das feindliche Land führte, wollte Philipp es nicht verantworten, seine erneut schwangere Frau mitzunehmen, weshalb er sie zur Sicherheit in Spanien zurückliess. Johanna konnte diese Trennung von ihrem Gatten nicht verkraften und fiel in eine tiefe Depression, welche ihr dauerhafte Schlaflosigkeit und Nahrungsverweigerung bescherte. Dennoch gebar sie am 10. März 1503 einen gesunden Sohn, Ferdinand. Johannas Situation verschlimmerte sich durch das immer arger werdende Zerwürfnis mit ihrer Mutter. Diese bösartige Frau überwachte jede Handlung Johannas, liess ihre Post kontrollieren, verweigerte ihr die Reise zu ihrem Mann und liess sie einsperren, indem sie die Zugbrücken des Schlosses La Mota, in dem sie lebte, hochziehen liess. Die so entstandenen Spannungen eskalierten, und Johanna liess in einem Tobsuchtsanfall ihre ganze Wut an ihrer Mutter aus, worauf diese sich entschied, Johanna im folgenden Frühjahr abreisen zu lassen. Der kleine Ferdinand aber blieb in Spanien.
Am 11. April 1504 kam Johanna in Brüssel an, und das Wiedersehen mit ihrem Mann war eine denkbar grosse Freude für die psychisch schwer angeschlagene Frau. Nach kurzer Zeit setzte erneut deren Eifersucht ein, diesmal noch ausgeprägter und richtiggehend hasserfüllt. In jeder Frau, welche sich in der Nähe befand, vermutete sie eine Geliebte Philipps. Dieser musste sie jeweils davon abhalten, mit Messern und anderen Gegenständen die vermeintlichen Rivalinnen zu attackieren. Johannas weibliche Dienerschaft bestand aus maurischen Sklavinnen, welche körperlich entstellt waren, damit sie auf ihren Gatten keine Reize ausüben konnten. Immer öfters zog sie sich in verdunkelte Gemächer zurück, wo sie oft stundenlang regungslos dasass und ins Leere starrte.

 

Am 26. November 1504 starb Johannas Mutter an Krebs. Diese hatte zuvor in ihrem Testament ihren Ehemann Ferdinand II. als stellvertretenden Regenten Johannas bestimmt und zwar solange, bis deren Sohn Karl mündig war. Ihre Begründung dafür war Johannas geistiger Zustand. Die Adelsstände Kastiliens waren mit dieser Verfügung aber nicht einverstanden, denn sie wollten einzig Johanna und ihren Gatten Philipp als neue herrschende Instanz anerkennen. Nach der Geburt von Johannas fünftem Kind Maria am 17. September 1505 reiste das Paar nach Kastilien. Im Jahr darauf kam einer der schicksalhaftesten Tage im Leben Johannas. Es war der 23. September 1506, als Philipp sich bei einem Ballspiel vergnügte. Nach der sportlichen Betätigung nahm er ein kühles Getränk zu sich, welches wohl verseucht war und ihn sofort schwer erkranken liess. Fünf Tage lang pflegte die erneut schwangere Johanna ihren immer schwächer werdenden Mann rund um die Uhr, worauf er in ihren Armen starb. Dadurch verlor sie den einzigen Menschen, welchem sie vertraute und welcher ihr Kraft zum Leben gab. Vermutungen machten sich breit, das es sich um einen Mordkomplott handelte, der von Ferdinand II. ausgegangen war, welcher bekannt war für seine Skrupellosigkeit in Sachen Machtansprüche. Vermutlich war Philipp jedoch tatsächlich das Opfer der Fieberepidemie, welche zu der Zeit in Spanien grassierte.

Philipps Leiche wurde zerlegt, wobei sein Herz nach Brügge gebracht und in der Kathedrale neben seiner Mutter bestattet wurde. Die sterbliche Hülle Philipps durfte Johanna behalten. Ihre Trauer, Verzweiflung und geistige Labilität raubten ihr die Sinne und trieben sie in einen regelrechten Wahn. Sie versuchte mehrmals, den aufgebahrten Leichnam aus dem Sarg zu nehmen und in ihre Gemächer zu schleppen, woran man sie jeweils hindern musste. Noch Wochen nach Philipps Tod entfernte Johanna immer wieder die Tücher, in die der Tote eingewickelt war und küsste seine Füsse. Danach wurde Philipps Leiche in der Kartause von Miraflores beigesetzt. Doch dann erinnerte sich Johanna an Philipps Wunsch, in der Granada bestattet zu werden. Sie liess den Toten exhumieren und begab sich mit einer Gefolgschaft auf einen makabren Leichenzug Richtung Granada. Unterwegs in Torquemeda gebar Johanna am 14. Januar 1507 ihr letztes Kind, Katharina.

Im Jahre 1509 liess Ferdinand II. Johanna, von den Einheimischen „Juana la Loca“ genannt, und ihre Tochter Katharina gefangen nehmen und im Schloss Tordesillas bei Valladolid einsperren, um seine Tochter unter dem Vorwand von Geisteskrankheit zu beseitigen und die Herrschaft über Kastilien zu übernehmen. Aber dass Johanna trotz strenger Beaufsichtigung die rechtmässige Königin blieb, konnte Ferdinand dadurch nicht ändern. Somit wurden alle politischen Angelegenheiten in Johannas Namen geregelt. Es folgten 45 Jahre Gefangenschaft und zunehmende Verwahrlosung. Die ersten 15 Jahre der Gefangenschaft teilte Johanna mit ihrer Tochter Katharina, welche ihrer Mutter ein wenig Halt zu geben vermochte. Um 1524 wurde Katharina aus der Gefangenschaft entlassen, weil sie ihren Cousin Johann III. von Portugal heiraten sollte. Jetzt verschlechterte sich Johannas Zustand abermals. Einsam liess man sie darben und gewährte ihr keine ordentliche Pflege mehr, worauf sie verlauste und allmählich in ihrem eigenen Dreck lebten musste. Nur sporadisch kümmerten sich die Bediensteten um Johanna, und wenn man sie nach langer Zeit wieder mal wusch, so erfolgte dies ohne jegliche Vorsicht, wobei man ihr – ungeachtet der Wassertemperatur – mehrere Körperteile verbrühte. Die Verbrennungen zogen grossflächige eitrige und nässende Wunden nach sich. Kein Mensch, nicht mal ihre Kinder, ging nach Tordesillas, um wenigstens ab und zu nach dem Rechten zu sehen. Am 12. April 1555 setzte endlich der erlösende Tod Johannas jahrzehntelangen unvorstellbaren Qualen ein Ende.
 

 

 


Gemälde der schwangeren Johanna von Jacques
van Laethem. Etwa um 1498.

Historisierende Darstellung Johannas, wie Sie sich an den Leichnam
Philipps schmiegt
 

Historisierende Darstellung Johannas auf ihrem Weg nach Granada, wo sie ihren verstorbenen Gatten
endgültig zu Grabe betten will. Gemälde von Francisco Pradilla.

 


Johanna - Bronzestatue in der Hofkirche zu Innsbruck.
Teil des Grabmahls von Kaiser Maximilian I.