|
Johann wurde im Jahre 1290
als Sohn Herzog Rudolfs II. und Agnes von Böhmen geboren. Da der Vater kurz
vor Johanns Geburt starb, lebte dieser vermutlich mit seiner Mutter im
Aargau, worauf eine Schenkungsurkunde aus Brugg von 1294 hinweist. Ab 1306
verlangte Johann von seinem Onkel König
Albrecht I. die Herausgabe der väterlichen
Erbschaft. Ebenfalls hätte Johann Anspruch gehabt auf die Kyburgischen
Besitztümer Lenzburg und Baden mutterseits, welche jedoch ebenfalls von
Albrecht I. als sein Vormund verwaltet wurden.
Albrecht aber kam Johanns Begehren nicht nach, was dazu führte, dass
letzterer als „Herzog ohne Land“ zum Gespött der Bevölkerung wurde. In der
Folge verschwor er sich gegen Albrecht zusammen mit den schwäbischen Rittern
Rudolf von Balm, Walter von Eschenbach, Rudolf von Wart und Konrad von
Tegerfeld, welche ihm halfen, ein Mordattentat auf den König zu planen. Am
Abend des 30. April 1308 hielt sich Johann in Winterthur bei einem Gastmahl
auf, welches Albrecht gab. Albrecht liess jedem der Gäste eine Blumenkranz
überreichen, doch Johann schmiss diesen seinem Onkel ins Gesicht und meinte,
dass ihm wohl anderes zustünde als ein läppischer Blumenkranz. Erbost
beendete Albrecht das Fest vorzeitig.
Der Mord geschah am
Folgetag, am 1. Mai 1308, in Windisch als Albrecht zu Pferde auf dem Heimweg
zu seiner Frau war. Beim heutigen Königsfelden lauerten ihm Johann und seine
Helfer auf, und als Albrecht vorbeikam, ritt Johann auf ihn zu und spaltete
ihm mit einem Hieb den Schädel. Gleich nach der Tat ergriffen die Mörder die
Flucht, und Johann war fortan verschollen.
Der neue König, Heinrich von
Luxemburg, ächtete Johann und konfiszierte sein Vermögen. Elisabeth von
Görz-Tirol, die Witwe Albrechts, und Agnes von Böhmen sollen darauf Rache an
den Angehörigen verübt haben. Von den Mördern wurde einzig Rudolf vom Balm
ergriffen und zur Strafe gerädert. Dessen Frau soll beim Sterbenden verharrt
haben und nach seinem Ableben in den Freitod gegangen sein. Die beiden
Königswitwen sollen der Legende nach im Bodenseeraum aus Zorn Raubzüge und
Verwüstung veranlasst haben. Agnes stiftete das
Kloster Königsfelden in
Windisch an der Stelle, wo Albrecht ermordet wurde. Das Geld dafür soll von
den Raubzügen stammen.
Das
mit Johann geschehen ist, weiss man heute nicht. Möglich ist, dass er nach
Italien floh und dort in Pisa als Mönch den Rest seines Lebens verbrachte.
Als Todesjahr wird 1312 oder 1313 angegeben. Eine Legende erzählt hingegen,
dass man am Neuen Markt in Wien öfter einen blinden Bettler gesehen habe,
der sich als Sohn Johanns ausgab. Man vermutete, dass es sich um Johann
selbst handelte. Der Zuname „Parricida“ bedeutet soviel wie
„Verwandtenmörder“.
|