"Kaffeepalast" wäre die treffendere
Bezeichnung. Reicher Stuck ziert den Deckenrand, die Fensterzwickel und die
Wände. Drei grosse Wandgemälde und weitere Malereien am oberen Teil der
Kopfwand geben dem Raum das Flair des Repräsentationssals eines Adelspalais.
Grüne Vorhänge mit Fransenborten zieren die Bögen der hohen Fenster.
Vornehme Samtbezüge der Bänke sowie ein alter Fischgrätparkett tragen das
Ihrige zur Authentizität bei. Im ganzen Café hängen
Messing-Kugelluster im Jugendstil - an den Wänden Leuchten im selben Stil.
Im hinteren Raum stehen alte, perfekt instand gehaltene Billardtische, die
rege bespielt werden. Dieser Raum ist mit kostbaren Wandvertäfelungen
ausgekleidet.
Im Ritter
trifft man auf echtes, unverfälschtes Wiener Vorstadtleben. Es treffen sich
hier viele ältere Herren aus der Umgebung zum Lautstarken Kartenspiel.
Keinen stört’s, wenn hinter der Theke der grantelnde Ober sich mit einer
Kollegin laut streitet, denn auch in der Herrenrunde wird’s gelegentlich mal
laut. Irgendwie ist die Welt hier einfach in Ordnung. Wer einmal richtiges
Wiener Vorstadtambiente erleben will, geht hierhin. Man muss damit rechnen,
dass man von der Bedienung gleich mal bis zu einer Viertelstunde ignoriert
wird, bis etwas passiert. Aber das tut der Faszination dieses prächtigen
Cafés keinen Abbruch. Hier geht eben alles langsamer vor sich. Das Essen ist
mittelmässig, aber ganz akzeptabel und preiswert. Man kriegt hier eine recht
gute Auswahl an Frühstück zu ebenfalls sehr guten Preisen - der
Vorstadt-Arbeiterschicht angepasst. Hier findet man garantiert keine
Touristen. Darum lohnt sich die Fahrt mit der Strassenbahn nach Ottakring
ganz besonders, um hier mal so richtig am unverfälschten Wiener
Aussenbezirksleben teilzunehmen.
Literaten und andere Künstler haben das
Ritter in Ottakring nie zu ihrem Stammcafé
gewählt. Es liegt einfach zu weit ausserhalb des Zentrums. Doch die
Fussballlegende Ernst Happel verweilte hier regelmässig beim Kaffee, und
gelegentlich schaut sogar der Bürgermeister Michael Häupl vorbei.