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In alter Zeit, als Peter von
Prachatitz das Amt des Dombaumeisters inne hatte, arbeitete für ihn Hans
Puchsbaum, ein eifriger Werkmeister. Er war ein geschickter und tüchtiger
Geselle und währte seinem Meister stets treu. Prachatitz hatte eine holde
Tochter namens Maria, welche von Puchsbaum innig verehrt wurde. Sie
erwiderte seine Zuneigung, jedoch wollten die beiden ihre Liebe vor dem
Vater geheim halten. Dann jedoch überkam Puchsbaum das verlangen, es
Prachatitz zu offenbaren, und so ging er zu ihm hin und heitl um die Hand
dessen Tochter an. Prachatitz war verärgert, liess sich aber nichts
anmerken. Er sprach zu Puchsbaum: „Mein lieber Hans, ich gebe dir meine
Tochter zur Frau, wenn du es fertigbringst, den zweiten Turm des
Stephansdoms innerhalb eines Jahres zu vollenden, auf dass er genauso hoch
ist wie der bereits bestehende Südturm.“
Hans Puchsbaum war voller Verzweiflung, denn kein Sterblicher war in der
Lage, den Turm innerhalb eines Jahres zu vollenden. Darauf erschien ihm der
Leibhaftige und bot ihm an, den Turm eigenhändig innerhalb der vorgegebenen
Frist zu erbauen. Eine Bedingung stellte er jedoch: Unter keinen Umständen
dürfe er während der Bauzeit den Namen des allerhöchsten Gottes und der
heiligen Jungfrau, ja auch nicht den Namen etwelches anderen Heiligen
aussprechen, denn sonst werde seine Seele dem Teufel gehören. Puchsbaum sah
darin die einzige Möglichkeit, seine Maria zur Frau zu erhalten, und so ging
er den Pakt mit dem Teufel ein. Von dem Tag an wuchs der Nordturm von St.
Stephan in windeseile in die Höhe. Dennoch bereute Puchsbaum seine
Einwilligung, welche er dem Teufel gegeben hatte, denn es war ihm nirgends
recht, und er machte sich Vorwürfe.
Eines Tages stand Puchsbaum oben auf dem Gerüst und beaufsichtigte die
Bauarbeiten am Turm. Dann erblickte er zufällig seine Maria unten auf dem
Domplatz. Voller Freude rief er nach ihr und nannte dabei ihren Namen. Dann
brach ein höllisches Gelächter los, und der Teufel persönlich erschien neben
ihm. Dieser packte Puchsbaum und schleuderte ihn mit unheimlicher Kraft in
die tiefe. auf dem Platz blieb der Körper Puchsbaums zerschmettert liegen.
Noch am selben Tag wurden die Bauarbeiten eingestellt und nie mehr
weitergeführt. So blieb der Norturm des Stephansdoms unvollendet.
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