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Der Friedhof der Namenlosen

 

Eine auf der Welt einzigartige Besonderheit liegt weit draussen in Simmering beim Alberner Hafen am Rande der Stadt, wo die Donau gemächlich ihren Lauf durch die grünen Auen nimmt. Hier wurde im Jahe 1854 eine Leiche angeschwemmt, deren Identität man nicht mehr feststellen konnte. So bestattete man den unglücklichen Toten gleich vor Ort. Die Natur wollte es, dass exakt beim Stromkilometer 1918 durch bestimmte Strömungsverhältnisse ein Wasserwirbel war, welcher allerlei Treibgut an die Wasseroberfläche brachte und genau hier an Land schwemmte. Immer wieder zog man an derselben Stelle leblose Körper an Land. Die meisten Leichen waren schrecklich bis zur völligen Unkenntlichkeit entstellt und durch die Kraft der Natur grauenvoll zugerichtet, dass man sie nicht mehr identifizieren konnte. Hinter jedem gefundenen Toten dürfte ein tragisches Schicksal gesteckt haben. Neben Fischern und anderen Leuten, welche verunfallt waren, fand man hauptsächlich Menschen, die freiwillig den Tod in den Donaufluten gefunden hatten. Was waren es für Menschen? Es werden traurige Hintergründe sein, unglückliche Wesen, die niemals geliebt wurden, um die keiner trauert, verzweifelte Seelen ohne Hoffnung. Selbst die Donau wollte sie nicht...


 

Es entstand an dem schicksalbeladenen Ort ein Friedhof der Namenlosen, welcher bald letzte Ruhestätte für rund 478 Tote wurde. Immer wieder überflutete die Donau das Friedhofsgelände, sodass man um die Jahrhundertwende einen neuen Friedhof anlegte, welcher durch einen Damm vom Donaustrom getrennt ist und dadurch nicht mehr unter Wasser geraten kann. Hier liegen 104 Tote bestattet, wovon 61 nie identifiziert worden sind. Als um 1939 Bauarbeiten dazu führten, dass die Strömung der Donau eine andere Richtung einschlug, wurde hier niemehr ein Toter angeschwemmt.
Nicht allen war das vermutlich unendliche Leid und tragische Schicksal der unbekannten Toten gleichgültig. So nahm sich im Jahre 1932 ein gewisser Josef Fuchs ehrenamtlich der Pflege des Friedhofes der Namenlosen an. Er kümmerte sich liebevoll um den kleinen Gottesacker, welcher letzte Ruhestätte von Unglücklichen war.

Die Gräber haben keine Steine, sondern sind schmucklos und werden lediglich durch ein schlichtes Eisenkreuz markiert. Auf kleinen Schildern steht ein Hinweis auf den darunter begrabenen geschrieben. So steht auf den meisten „unbekannt“, „namenlos“ oder das Geschlecht und ein Datum. Selten liest man einen Namen. Die Tragik, welche hinter den einzelnen Geschichten steht, kommt ganz besonders zum Ausdruck beim Lesen von Grabinschriften wie „Ertrunken durch fremde Hand am 1. Juni 1904 im 11. Lebensjahr“ oder „Fahrradunglück“.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


Altes Portal um 1920 (vor der Abholzung des Auwaldes)