
Es muss ein wunderschöner Tag gewesen sein, als Johann Strauss durch den Wienerwald spazierte und die Idee zu einem seiner grossartigsten Monumentalwalzer hatte. Die Sonnenstrahlen mögen durch das dichte Grün gefallen sein und das Gehölz in eine geheimnisvoll-romantische Szenerie verwandelt haben – eine Szenerie, die einem musikalischen Genius reichlich Inspiration bot und die schönsten Geschichten zu erzählen wusste. Die Idee zu diesem Walzer entstand allerdings nicht mit der Absicht, Naturerscheinungen musikalisch zu beschreiben, auch wenn solche an gewissen Stellen durchaus anklingen – etwa in der Flötenkadenz, die an Vogelgesang erinnert. Vielmehr schätzte Strauss den Wienerwald als Ausflugsziel, an dem er für einige Stunden den Kopf frei bekommen und dem städtischen Treiben entfliehen konnte.
Auf eine feierliche Eröffnung folgt die bereits erwähnte Flötenkadenz. Darauf erklingt eine behagliche Ländlermelodie, gespielt von einer Zither. Diese Melodie wird später im Hauptwalzer erneut zum Thema und auch gegen Ende des Werkes nochmals aufgegriffen. Nach einer kraftvollen Überleitung mit Trompeten und Hörnern folgt ein vorbereitender Abstieg, der mit zwei Takten des charakteristischen «Hm-Ta-Ta» in den Hauptwalzer überleitet.
Das erste Walzerthema könnte lieblicher kaum sein: lachend und weinend zugleich, klagend und fröhlich. Wie Frage und Antwort, Aktion und Reaktion reihen sich die einzelnen Sequenzen aneinander und versetzen den Zuhörer in einen regelrechten Taumel. Als zweiter Walzer erklingt die Zithermelodie aus der Introduktion, nun freilich vom Orchester gespielt. Ein Ländler verwandelt sich somit in einen Walzer. Nach der dritten und vierten Walzerfolge kehrt das Hauptthema zurück, worauf nochmals die Zither zu hören ist, ehe das Werk mit einem furiosen Finale seinen Abschluss findet.
Gewidmet ist „Geschichten aus dem Wienerwald“ Fürst Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Die Erstaufführung erfolgte vermutlich am 19. Juni 1868 im Volksgarten. Andere Quellen sagen jedoch aus, dass die Erstaufführung bereits am 9. Juni im Augarten stattgefunden habe.
