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Emile Waldteufel (1837-1915)




 

Obwohl Emile Waldteufel kaum etwas in direkter Weise mit der Stadt Wien zu tun hat, soll er hier keinesfalls fehlen. Seine Musik ist ebenfalls dem wiener Genre zuzuordnen und wird oft verglichen mit der Strauss-Musik, und dennoch besteht ein grosser Unterschied...

Geboren wurde Waldteufel in Strasbourg am 9. Dezember 1837, sieben Wochen, nachdem Johann Strauss Sen. an genanntem Ort sein erstes Konzert auf französischem Boden gegeben hatte. Der Name Waldteufel klingt durchaus deutsch. Das rührt daher, dass das Elsass stark deutsch geprägt ist, jedoch seit 1793 gänzlich zu Frankreich gehört. Seine Familie war eine Musikerfamilie. Sein Vater Louis hatte ein angesehenes Orchester, und sein Bruder Léon war ein beliebter Musiker. Als dieser am Konservatorium in Paris einen Platz als Violinstudent bekommen hatte, zog die ganze Familie dorthin. Es war der Ort, an dem Emile sein ganzes Leben verbringen wird.
Er studierte 1853-1857 das Klavierspiel ebenfalls am Konservatorium. Unter seinen Mitschülern befand sich auch Jules Massenet. In dieser Zeit wurde das Orchester seines Vaters eines der berühmtesten in Paris, und er war ständig engagiert an hohen Anlässen. Im Jahre 1865 wurde Emile Waldteufel zum Hofpianisten der Kaiserin Eugénie berufen als Nachfolger von Joseph Ascher. Er spielte nicht nur in Paris auf, sondern auch in Biarritz und Compiègne. Ab 1867 spielte das Waldteufel-Orchester auch am prächtigen Hof in den Tuilerien. Nach dem französisch-preussischen Krieg spielte das Orchester auch auf den Präsidentenbällen im Elysée. Aber bisher kannte nur ein begrenzter Teil der Gesellschaft Waldteufels Musik. Emile war bereits 40 Jahre alt, als sein Bekanntheitsgrad wuchs.

 

Im Oktober 1874 spielte er auf an einem Anlass, dem der Prinz Of Wales, der zukünftige Edward VII, beiwohnte. Dieser war begeistert von seinem Manolo-Walzer und erklärte sich bereit, Waldteufels Musik in England bekannt zu machen. Es folgte ein Langzeitvertrag mit dem Londoner Verleger Hopwood & Crew. Da diese Firma zur Hälfte Charles Coote gehörte, Direktor der Coote & Tinney’s Band, das erste Londoner Tanzorchester, ermöglichte dies, dass Waldteufels Musik bis zu den Staatsanlässen der Queen Victoria im Buckingham Palace vordrang. Mehrere Jahre lang waren Waldteufels Werke dominierend an jenem Ort, wodurch er Weltruhm erlangte. In dieser Zeit brachte er einige seiner berühmtesten Werke hervor, welche noch heute immer und immer wieder auf der ganzen Welt erklingen; allen voran sein Paradestück, der Schlittschuhläufer-Walzer aus dem Jahre 1882. Der französische Verleger Durand Schoenewerk kaufte die Rechte an Waldteufels Werke von Hopwood & Crew ab. So später auch der Deutsche Verleger Litolff, in dessen Ausgaben Waldteufels Werke unter deutschen Namen erschienen und teils leicht verändert wurden. Litolff brachte im Jahre 1883 ein Opusnummern-System in Waldteufels Werkverzeichnis ein. Diese Nummern begannen bei 101, um den früheren Werken eine gewisse Flexibilität in der Numerierung zu überlassen.

Die Numerierung im Opussystem war chronologisch nicht korrekt, was die Sache ziemlich kompliziert machte. Waldteufel gastierte in mehreren europäischen Städten. So 1885 in London, 1889 in Berlin, und in den Jahren 1890/91 dirigierte er an den pariser Opernbällen. Seine Tätigkeit als Dirigent an verschiedenen wichtigen Anlässen führte er fort bis 1899, als er in Rente ging. Er fuhr fort mit Komponieren, jedoch war sein Stil nicht mehr so gefragt wie einst. Auch gingen ihm die Ideen allmählich aus.
Am 12. Februar 1915 starb Emile Waldteufel im Alter von 77 Jahren in Paris. Seine Frau Célestine Dufau, eine ehemalige Sängerin, welche ihm zwei Söhne und eine Tochter gebar, starb im Jahr zuvor. Emile Waldteufel war bekannt als frohe Natur mit einem gesunden Sinn für Humor. Diese Charaktereigenschaften kommen in seiner Musik zum Ausdruck. Diese mag im Vergleich zu der Strauss-Musik nicht ganz so anspruchsvoll sein und einen einfacheren Aufbau haben, jedoch verstand er es, den Zuhörer mit vergleichsweise einfachen, aber feinen und verspielten Melodien zu verzaubern.

Im Gegensatz zu Johann Strauss Jun. dirigierte Waldteufel nicht mit dem Geigenbogen, sondern mit einem Stab wie es heute üblich ist. Seine Kompositionen entstanden alle am Klavier und wurden erst später orchestriert. Das typische Waldteufel-Orchester besteht aus Streichern, einem doppelten Holzbläsersatz, zwei Kornetten, vier Hörnern, drei Posaunen und Tubas, Pauken und Schlaginstrumenten.


Seine Werke


Grab in Paris


 

Musikbeispiele
 

 
Die Schlittschuhläufer (Walzer) - Midi  
Térésa (Walzer) - Midi
Nina (Walzer) - Midi
Clarisse (Walzer) - Midi
La Mère des Compagnons (Walzer) - Midi
Manuelita (Walzer) - Midi
Pour une Rose (Walzer) - Midi
La Source (Walzer) - Midi
Kamiesh (Walzer) - Midi
Extase d'Amour (Walzer) - Midi
Coquetterie (Walzer) - Midi
Gretna-Green (Walzer) - Midi

 

 

Links zum Thema
http://www.brum.ch/musik.htm
http://emilewaldteufel.free.fr
 


 

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