Geboren wurde Oscar Straus in
Wien am 6. März 1870. Sein Musikstudium absolvierte er in Berlin beim
Komponisten Max Bruch und teils auch in Wien. In der Zeit komponierte er
vorwiegend Lieder und Kammermusik, darunter Werke für seine erste Ehefrau Nelly
Irmen, mit der er drei Kinder hatte. Zu seinem Schaffen gehörten auch ein
Klavierkonzert und eine Oper, womit ihm jedoch kein grosser Erfolg zuteil wurde.
Später übernahm er das Amt des Theaterkapellmeistes in Brünn (Brno), Teplitz
(Teplice),
Mainz und Berlin, wo seine Ehe mit Nelly Irmen in die Brüche ging.
Als Oscar Straus um 1900 die Leitung von Ernst von Wolzogens Kabarett
‚Überbrettl‘ übernahm, entdeckte er seine Ader für die leichte Klassik. Nach
einigen Erfolgen scheiterte das Projekt ‚Überbrettl‘ jedoch, und Straus ging für
einige Zeit in Norddeutschland auf musikalische Tour. Danach kehrte er nach Wien
zurück und folgte dem Rat, den ihm
Johann Strauss Jun. im Jahre 1898 gegeben hatte, sich der Operetten- und
Tanzkomposition zu verschreiben. Straus‘ erstes Vorbild war
Jacques Offenbach, was auch der Grund
war für das Schreiben der Parodie-Operetten „Die lustigen Niebelungen“ und
„Hugdietrichs Brautfahrt“. Dann aber kam der Sensationserfolg von Straus‘
Jahrgänger Franz Lehàr mit dessen Operette 'Die
lustige Witwe', worauf Straus zu sich sleber sagte: "Das kann ich auch!"
Das weitere Geschehen wurde durch einen Zufall beeinflusst: Als Straus sich im
Prater aufhielt und in einem Kaffeehaus der spielenden Damenkapelle zuhörte, kam
ein junger Autor auf ihn zu und bot ihm den literarischen Stoff für eine
Operette an, in der ebenfalls eine Damenkapelle vorkommt. Straus nahm das
Angebot an und machte sich sogleich an die Arbeit und vertonte das Drehbuch. im
Frühjahr 1907 war das Werk vollendet - Straus‘ ‚Walzertraum‘ war geboren. Am 3.
März 1907 fand die Uraufführung im Carltheater statt, und der Erfolg war
beispiellos. Es folgten nicht weniger als 500 Aufführungen in der ersten Serie,
und die Operette machte die Runde um die Welt. Die sehr reichhaltige Musik aus
der Operette wurde auch für den Konzertgebrauch eingerichtet, worunter das
bedeutendste Werk der grosse Konzertwalzer ist, welcher die wichtigsten Melodien
aus der Operette zusammenfasst.
Es folgten weitere Operetten wie 'Der letzte Walzer' oder 'Drei Walzer', welche
grossen Anklang fanden, jedoch dem Walzertraum das Wasser bei weitem nicht
reichen konnten.
Nach dem Untergang der Donaumonarchie siedelte Oscar Straus nach Berlin über, wo
er blieb, bis 1933 die Nazionalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen.
Er kehrte nach Österreich zurück und lebte zeitweilig auch in der Schweiz. Als
jedoch die Deutsche Macht 1938 Österreich einvernahm, floh er nach Frankreich.
Als „Weltbürger der Musik“ stellte es kein Problem dar, dass Straus somit die
französische Staatsbürgerschaft annahm. Nun ergriffen die Deutschen auch in
Frankreich die Macht, worauf Straus nach Amerika auswanderte, Amerikaner wurde
und mitunter für Hollywood Musik schrieb. Erst als 1945 der Zweite Weltkrieg
vorbei war, kehrte der Komponist zurück nach Österreich, wo er sich in
Bad Ischl
niederliess und seine letzten grossen Werke schuf. Hier starb er am 11. Januar
1954.