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Paul Lincke (1866-1946)

Am 7. November
1866 kam Paul Lincke in Berlin zur Welt und verbrachte hier seine
Jugendjahre. Sein Vater, ein berliner Magistratsbeamter, starb früh an
Cholera. Paul Linckes Vorliebe - ganz speziell diejenige für Militärmusik -
war bereits im frühern Schulalter spürbar. Viel lieber verfolgte er die
Wachablösung unter den Linden, als dass er beim Unterricht blieb.
1880 entschloss die Mutter Paul Linckes, die Vorliebe ihres Sohnes zu
fördern und schickte ihn zur musikalischen Ausbildung an die
‚Stadtpfeiferei‘ zu Wittenberge. Seine Begabung und sein Eifer führten dazu,
dass Lincke schon sehr bald kleinere Aufgaben an Konzertaufführungen
übernehmen durfte. Als er nach vier Jahren seine Musikausbildung
abgeschlossen hatte, legte er seine erste Komposition vor: der Marsch „Gruss
an Wittenberge“.
Lincke kehrte nach Berlin zurück und bewarb sich bei mehreren
Militärkapellen. Die eigentliche Aufnahmeprüfung bestand er spielend mit
überaus guter Note, jedoch liessen die Militärärzte Lincke das Amt bei der
preussischen Armee nicht antreten, weil er einen zu geringen Brustumfang
hatte. Dafür fand der
junge Lincke eine Anstellung als Fagottist am Central-Theater, wechselte
aber kurze Zeit später, 1885, ans Ostend-Theater. Zwei Jahre später kam er
für drei Jahre ans Königstädtische Theater am Alexanderplatz. Im Frühling
1893 war er der Dirigent eines der traditionellen Berliner Pfingstkonzerte
im Garten des Belle-Alliance-Theaters.
Am Königstädtischen Theater lernte Lincke den Schauspieler Heinz Bolten aus
Chemnitz kennen, der in seiner beruflichen Laufbahn seit daher eine tragende
Rolle spielte. 1897 feierte Lincke mit seinem Einakter 'Venus auf Erden'
einen grossen Erfolg und läutete damit das neue Genre der Berliner Operette
ein.
Paul Lincke verstarb am 3. September 1946 in Clausthal-Zellerfeld, wohin er
sich im Krieg abgesetzt hat.
Die
leichte Musik war Linckes Spezialität, welcher er zeitlebens treu geblieben
ist. Aus seinem Schaffen gingen zahlreiche Possen, Lieder und mehrere
Bühnenwerke hervor. Ganz besonders zu erwähnen ist hier seine Operette ‚Frau
Luna‘, welche bis zum heutigen Tage bekannt geblieben ist.
Lincke verstand es, eingängige Melodien zu schreiben. Kommt es also nicht
von etwa, dass Evergreens wie "Schlösser, die im Monde liegen",
"Glühwürmchen-Idyll", "Folies Bergère" oder das "Geburtstagsständchen" noch
heute gängiger Ohrenschmaus sind. Sein berühmtestes Meisterwerk jedoch ist
und bleibt seine "Berliner Luft", jener Marsch, welcher - ähnlich wie der
Donauwalzer in Wien - oft als heimliche Hymne Berlins bezeichnet wird.
Viele Stücke und Passagen klingen durchaus wienerisch. Besonders in seinen
beschwingten Walzerfolgen aus ‚Frau Luna‘ oder anderen Zyklen kommt der „Johann
Strauss Deutschlands“ zum Ausdruck. Paul Lincke hat das Pendant zur
Wiener Operette geschaffen, sprach man seither von der Berliner Operette.
Musikbeispiel
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