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Erzherzogin Sophie von Bayern (1805-1872)

 

 

Am 27. Januar 1805 wurde Sophie als Tocher von König Maximilian I. von Bayern und Karoline von Baden geboren. Am 4. November 1824 heiratete sie in Wien Erzherzog Franz Karl, zweiter Sohn von Kaiser Franz II. Die Ehe blieb vorerst kinderlos, weshalb Sophie mehrere Salzkuren in Bad Ischl machte. Nach sechs Jahren endlich brachte sie ihren ersten Sohn, Franz Joseph, zur Welt.

Da ihr Schwager Ferdinand I. nicht fähig war zu regieren und das dafür gebildete Kabinett, welchem ihr Mann mit angehörte, auch nicht eine vollkommen funktionierende Regierung darstellte, nahm Sophie die Zügel selbst in die Hand, wenn auch stets im Hintergrund. Sie war politisch sehr gewandt und verfolgte eisern ihre Ziele. Nicht umsonst nannte man sie in Wien den „einzigen Mann am Hof“. Als Franz Joseph an die Macht kam, übte sie weiterhin grossen Einfluss auf dessen Regentschaft aus. Als 1848 die Revolution einsetzte, zeigte ihren politischen Einfluss seine Nachteile: Sophie war die Hauptverantwortliche für die Aufhebung der ersten Verfassung und die enge Bindung zwischen Kirche und Staat. Ihre Politik war überaus deutsch-orientiert, was in einem Vielvölkerstaat wie der Donaumonarchie unweigerlich zu Spannungen führte. Vor allem das Verhältnis zwischen Österreich und Ungarn stand oft auf der Kippe, denn Sophie hasste die Ungaren und deren Bräuche richtiggehend. Diese Abneigung zeigte sie auch offiziell und brachte sich dadurch in besonders schwierige Situationen. Wäre ihre spätere Schweigertochter Elisabeth mit ihrer innigen Verbundenheit und Liebe zu Ungarn nicht gewesen, so dürfte die Geschichte der k.u.k. Monarchie anders verlaufen sein.

 

Nach der Abdankung Kaiser Ferdinands I. überredete Sophie ihren Mann Franz Karl, den offiziellen Thronfolger, dazu, den Kaisertitel ihrem Sohn Franz Joseph zu überlassen, was seit jeher ihr wichtigstes ziel war. Weiterhin mischte sie sich ins Leben Franz Josephs und dessen Regierung ein. Dieser heiratete gegen Sophies willen deren Nichte Elisabeth von Bayern. Die Spannungen innerhalb des Kaiserhauses stiegen ins Unendliche, als sie Elisabeth ihre Kinder wegnahm, um sich eigenhändig um deren Erziehung zu kümmern. Napoleon Franz Herzog von Reichstadt, der Sohn von Sophies Schwägerin Marie Louise, war der einzige, welcher ihr aufrichtig freundschaftlich gesinnt war. Sophie hat am Wiener Hof wohl manches gerade gebogen und erreicht, doch genauso viel Ungutes hat sie bewirkt sowohl in der Politik als auch innerhalb des Kaiserhauses. Nach der Exekution ihres Lieblingssohnes Maximilian von Mexiko zog sie sich zurück und verlebte als gebrochene Frau ihre letzten Jahre. Sie starb am 28. Mai 1872 an Gehirnkrämpfen.